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Umbau Villa Elbchaussee – Hamburg

Villa Hamburg

Villa Hamburg

Objektname: Umbau und Sanierung einer Villa in Hamburg
Architekt: Dipl.-Ing. Axel Nieberg, Hannover
Erstellungsjahr: 2007
Standort: Elbchaussee Hamburg
Bruttogeschossfläche: 278qm für Neubaubereich
Weitere Firmen: Statik und Bauphysik , Ingenieurbüro Harmening, Bückeburg
Fotos von: Axel Nieberg

Beschreibung

Die 1906 erbaute Villa liegt direkt an der Elbchaussee, eine von Hamburgs Prachtstrassen, mit Blick auf die Elbe. Der ursprüngliche Zustand mit einem Turmaufbau und einem Ziergiebel wurde im Krieg zerstört. Diese Deformierung führte zu einer ungünstigen Veränderung der Proportion und Vertikalität des Baus.

Das architektonische Ziel war neben der Erstellung hochwertiger Innenräume auch eine städtebauliche Verbesserung der Ansicht zur Elbchaussee.

Die Bestandsfassaden wurden in einem hellen weiß gestrichen, um dem Ganzen den hochwertigen Charakter wiederzugeben und eine freundliche helle Ausstrahlung zu schaffen. Die Gesimse und Verzierung sind in einem hellen grau leicht abgestuft, um die Plastizität als Relief zu stärken. Die rückseitige Fassade zum Hof wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen, um auch eine energetische Verbesserung herbeizuführen.

Der Entwurf interpretiert das Dachgeschoss als neues eigenständiges Element. Es wird als Motiv ablesbar von den ursprünglichen Fassaden getrennt. Als Gebäudeabschluss wurde ein horizontales Glasband entwickelt, das durch helle Sichtbetonbalken gerahmt wird. Der neue Aufbau wird durch filigran ausgebildete Schattenfugen vom Bestand abgelöst.

Das vorgesetzte Glasband ist mit rahmenlosen Ganzglastüren ausgeführt. Jedes Element kann für sich geöffnet werden und so die Glasfassade vertikal gliedern. Funktional lässt sich dadurch jedes Element von innen reinigen. Der Glasvorhang dient neben seiner optischen Qualität vor allem als wirksamer Lärmschutz zur vielbefahrenen Elbchaussee.

Auf dem bestehenden Erker zur Elbchaussee bilden die Sichtbetonbalken die optische Begrenzung für einen neuen Außenraum. Durch die umhüllenden Balken wird der Bereich als eigenständiger Raum wahrnehmbar. Zwischen die oberen Sichtbetonbalken können im Sommer Sonnensegel eingehängt werden. Die Transparenz der Glastüren und Glasbrüstungen lässt das Licht weit in den dahinterliegenden Wohnraum eindringen. Der Bodenbelag aus Holzdielen wird aus dem Innenbereich nach außen weitergeführt und bildet so eine optische Verbindung.

fließende Raumübergänge

Die Konzeption für die Innenräume sieht fließende Raumübergänge und verschiedene Sichtbeziehungen vor. Drei Wohnungen, durch Splitlevel getrennt, wurden zu einer großzügigen Einheit verbunden. Durch die aufwendige Entkernung und Einbringung einer Stahlkonstruktion im Dachbereich konnte eine offene Verbindung zwischen der Elb- und Hofseite geschaffen werden und ein Durchblick durch das gesamte Gebäude erreicht werden. Denn auch die Rückseite mit dem Blick in die umliegenden Villengärten bietet interessante Aussichten und kann keineswegs als zweitrangig bezeichnet werden. Aus diesem Grund wird auf dem Erker des Erdgeschosses im Hof eine Stahlkonstruktion aufgebaut, die im Dachgeschoss als zusätzlicher Balkon genutzt wird. Auch hier wird das Außenraummotiv wie zur Elbchaussee aufgegriffen und die Stahlkonstruktion bis zur Dachkante hochgeführt. So ergibt sich auch hier ein eigenständiger Raum.

Der Innenausbau imponiert durch seine reduzierte einfache Materialwahl. Wenige natürliche Materialien prägen den trotz seiner Einfachheit wohnlichen Charakter. Die massiven 30 cm breiten geölten Holzdielen aus Douglasie durchziehen die Räume über die gesamte Länge und unterstreichen die Zusammengehörigkeit der einzelnen Bereiche. Die Dielen sind als klassische Konstruktion auf Lagerhölzer gelegt. Zwischen den Lagerhölzern verlaufen Heizrohre als Flächenheizung. Ein leichtes Knarren beim Begehen erinnert auch hörbar an traditionelle Holzböden.

Alle Wände und Decken sind weiß gestrichen und treten thematisch hinter den atmosphärischen Holzboden zurück.

Die Funktionsbereiche wie Hauswirtschafts-, Abstell- und Lebensmittelraum sind als eingestellte Kuben frei im Raum positioniert und bilden die Zonierung der Einheit. Temporäre Trennungen der Bereiche sind durch in den Wänden geführte Schiebetüren möglich.

Im oberen Splitlevel befindet sich das Gästebad sowie Arbeits- und Kinderzimmer. Im unteren Zwischengeschoss ist ein weiterer Raum als Kinderzimmer und Gästezimmer nutzbar.

Im Wohn- und Essbereich flankieren 7m lange Sichtbetonbänke die Raumseiten. Die steinernen Bänke bilden eine natürliche Einheit mit dem Holz des Bodens.

Eine über Eck verglaste großflächige Fensterfront bietet im Wohnbereich einen imposanten Panoramablick zur Elbe. Am Abend scheinen die Lichter der Containerschiffe zum Greifen nahe.

Der Kaminbereich mit seinen beidseitigen Sitznischen bildet das Zentrum der Wohneinheit und liegt in Sichtachse zur Eingangstür. Der Kamin als traditionelles Element wird als wichtiger Wohnungsbestandteil gesehen, da dieser für die Bewohner ein besonderer Aufenthaltsbereich ist und dieser häufig in Betrieb ist. Dadurch begründet sich auch die außergewöhnliche Positionierung.

Die minimalistischen Gedankenansätze zeigen sich ebenfalls in der Möbelplanung sehr deutlich. Die Schränke verschwinden in vorgesehenen Nischen und erhalten die gleiche Farbgebung wie die Wände. Nur durch minimale Fugen werden die Schrankwände unterteilt. Auf jegliche Griffe wird verzichtet. Lediglich der Druck auf die Tür lässt diese automatisch öffnen.

Diese Detaillierung wird auch konsequent in der Küchenplanung fortgeführt. Die Küche wirkt wie ein integratives Möbel. In den Fronten eingefrästen Nuten dienen der Bedienung von Türen und Schubladen. Selbst der Backofen, sonst immer ein prägnantes Element in den Küchen, verschwindet unsichtbar hinter einer Schiebeklappe.

Das Lichtkonzept arbeitet mit weichen atmosphärischen Stimmungen. Das Licht wird in Teilbereichen durch satinierte Scheiben gefiltert.

Die vertikalen Ausrichtung der Lichtführung steigert die Wirkung des natürlichen Holzbodens. Verglaste Dachöffnungen im Bad und Kaminbereich ermöglichen die natürliche Belichtung der innenliegenden Räume.

Das künstliche Licht wird in Deckenöffnungen und –schlitzen, hinter eingezogenen Deckenschürzen oder unter Bänken verborgen und bietet interessante und unerwartete Lichtstimmungen.

Dipl.-Ing. Axel Nieberg, Architekt
atelieraxelnieberg
Waterloostrasse 1
30169 Hannover
+49-511-16966-01
http://www.nieberg-architect.de

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2 Kommentare

  1. Rheinlaand sagt

    Hallo Herr Lauff,
    wir sind auf der Suche nach einem Haus an der Elbchaussee. Deshalb bei Ihnen gelandet.
    Also ganz ehrlich – Sie haben sich mit der Beleuchtung viel Mühe gegeben. Allerdings mutet das eher an eine Krankenhausatmosphäre an. Hat ein solches Haus denn keine „Seele“ mehr verdient? Eventuell durch eine gelungene Kombination aus Beleuchtung, moderne Formen und ein bisschen „alt“ – oder zumindest Elemente, die daran erinnern, wo man sich egentlich befindet, ohne aus dem Fenster oder auf die Straßennamen sehen zu müssen?
    Der Versuch in allen Ehren, aber das kann wirklich überall und nirgends gesehen werden. Wir wünschen trotzdem viel Erfolg beim Verkauf.

    • Hallo Rheinlaand,

      danke für den Kommentar. Ich muss aber noch das eine oder andere klarstellen:

      1. Ich bin nicht der Eigentümer oder der Architekt dieses Objektes. Das Objekt wird hier nur vorgestellt.
      2. Sind die Häuser hier bei Archimag nicht zum Verkauf.

      Geschmack ist verschieden. Dieses Haus ist sicherlich auf die Wünsche des Bauherren abgestimmt. Ich wünsche viel Erfolg bei der Suche nach Ihrem Traumobjekt.

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