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Stellwerk 2B – The Place to be

Stellwerk 2b

Stellwerk 2b

Mit dem heutigen Artikel in der Reihe Vorgestellt möchte ich eine Diplomarbeit im Bereich Innenarchitektur vorstellen. Es geht um einem Umbau eines ehemaligen Stellwerkes. Eine sehr interessante Idee, wie ich finden. „Vorgestellt“ kann auch in Zukunft Diplomarbeiten vorstellen, solange sie ins Gesamtkonzept von Archimag passen. Wer möchte, darf mir hierzu gerne Material schicken.

Verfasser: Johannes Albert, Juni 2009
Hochschule: Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle
Studiengang: Innenarchitektur
Betreuer: Prof. Axel Müller-Schöll
Kontakt: johannesalbert(at)hotmail.com

Kontext

Innerhalb urbaner Ballungszentren nimmt der Zuwachs an Bewohnern und damit einhergehend der Anstieg von Außenreizen zu.  Umso mehr steigt das Bedürfnis nach Orten der produktiven Ruhe, Einfachheit und unaufgeregten Besonderheiten.

Das Bestandsgebäude

In Brandenburg, nahe des Ortes Großrössen befindet sich das stillgelegte Stellwerk „Abzweig Großrössen“. Das 13 Meter hohe, als sichtbare Landmarke erscheinende Gebäude, besteht aus einem Hauptgebäude, einem angegliedertem Treppentrakt und einem südlich vorgelagerten Anbau. Vertikal teilt es sich in vier Etagen. Der ehemalige Wärterraum, wird über eine innenliegende Treppe erschlossen und verfügt als charakterisierendes Merkmal über ein umlaufendes Fensterband welches einen 360 Grad Panoramaausblick ermöglicht. Das prägnante, über den Grundriss auskragende Dach, verschattet den Wärterraum.

Nutzungskonzept

Mit der Umplanung des Stellwerks 2B entsteht ein Nischenprodukt, welches die Transformation eines ländlichen Ortes zu einem qualitativ hochwertigen Aufenthaltsort für überreizte Großstädter als Ziel hat.

Das stillgelegte Stellwerk nahe einer archaisch dörflichen Umgebung, bietet einen unaufgeregten Ort, der jenseits großstädtischer Hektik, den Fokus auf die eigenen Themen der Besucher lenkt. Diese Eigenschaft bietet eine hervorragende Grundlage einen gestalteten Ort für urbane Querdenker, auf der Suche nach Inspiration, produktiver Ruhe und Abwechslung herzustellen.

Inhaltlicher Kern der Neunutzung besteht in der Reduktion der alltäglichen Außenreize, die einhergehend mit dem Charakter der Umgebung, inspirierend und ordnend auf die Bewohner wirken soll.

Für Gruppen von bis zu acht Menschen entsteht ein Arbeits- und Wohnort für Treffen, Meetings und Workshops. Die Schwerpunkte der Nutzung liegen, aufgrund der Abgeschiedenheit, in einem entstehenden Wir-Gefühl der Besucher, und erzeugen mit dem Erleben eines spannenden Raumgefüges eine ungehinderten Klar- bzw. Weitsicht.

Entwurfskonzept

Das auf den ersten Blick klein und stämmig wirkende Gebäude zum detailtiefen Raum.

Grundlegender Gedanke ist der Fokus auf den einzig wirklichen Aufenthaltsort: das sprichwörtliches Highlight ist der oben gelegene Wärterraum „2B“ mit spektakulärem Ausblick als „ The place to be“.

Die darunter liegende Räume verfügen über eine gänzlich andere Qualität und werden auf das nötigste reduziert: Die bestehende Raumstruktur wird zerbrochen und zu einem großen Raum zusammengeführt. Für den Betrachter wird beim Betreten des Hauptgebäudes der Innenraum von zehn Metern sicht- und erlebbar. Diesen Raum unterteilen Brücken und sieben kleinteilige Kuben, welche die Fassade durchbrechen. Anstatt konventionellen Zimmer, bieten Brücken den Weg zu kleine Schlafkuben. Die Gesamtheit des neuen Innenraumes erlaubt einen Überblick sowie die Kommunikationsmöglichkeit über alle Ebenen.

Der Innenraum wird nach Außen, der Außenraum nach Innen transportiert.

Das Innere des Gebäudes öffnet sich mit Schlafkuben in die Umgebung. Die aus der Fassade stoßenden Kuben richten sich nach umliegenden Orten der Umgebung aus, und liefern dem einzelnen Bewohner mit Informationstexten einen Teilbereich Wissen, der erst in der Gruppe zu einem Ganzen wird.

Alle Türen werden bündig in Wandtaschen integriert, was dem Gebäude eine übergreifende Offenheit verleiht.

Der Hauptraum bleibt fensterlos und wird durch die Schlafkuben mit Tageslicht beleuchtet. Es wird somit ein bewusst dunkler Raum geschaffen, der im Kontrast zu dem lichtdurchfluteten Arbeits- und Aufenthaltsraum 2B steht. Tagsüber werden die Kuben durch natürliches Licht zum innengerichteten Leuchten gebracht, nachts dringt das Licht der Kuben als Umgebungszugewandte Geste in die Landschaft.

Im Erdgeschoss bieten an der Wand hängende Industriespinde Platz für persönliche Sachen, und halten mit der Auslagerung den Bewohnern den Kopf für eigene Themen frei.

Grundlage für die Umplanung ist das Ziel, einen gestalteten Ort zu schaffen, der die Bedürfnisse der temporären Bewohner erfüllt, ohne dabei überladen zu sein.

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