11 Fragen an...
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MArch DipIng Jörg Purwin

MArch DiplIng Jörg Purwin

MArch DiplIng Jörg Purwin

Heute werden die 11 Fragen an Jörg Purwin gestellt. Er ist zusammen mit Roderick Andrew George Vearncombe der Kopf von PV STUDIOS. Sie selber bezeichnen sich als unabhängige Architekten. Vearncombe ist in London geboren und hat dort studiert. Purwin hat ebenfalls seinen Abschluss in London gemacht. Mit PV STUDIOS wirken die beiden von Hamburg aus. Besonders freue ich mich, dass es heute etwas Philosophisch wird.

Herr Purwin stellen sie sich vor der ersten Frage doch kurz selber vor:
_Jörg Purwin [jp]: Lieber ein Zitat:
„Ich komme, ich weiß nicht, von wo?
Ich bin, ich weiß nicht, was?
Ich fahre, ich weiß nicht wohin?
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin.“
Heinrich von Kleist

Frage 1: Welches war Ihre erste Anstellung nach dem Studium?
_jp: Bei Bothe, Richter, Teherani in Hamburg. Dort anfangs in der Wettbewerbsabteilung, dann Ausführung. 1999 gab es eine besondere Stimmung in Hamburg, den Wechsel des Baudirektors und eine Neudefintion des Bildes der Hansestadt. BRT waren da sehr einflussreich mit den gläsernen Bauten. Für viele junge Architekten war das sehr attraktiv dort zu arbeiten, wo für Hamburg eine neue Facette geplant wurde. Städtebaulich herausragend waren jedoch dann nur Elbberg 1 und der Elbberg- Campus. Da bekam man eine Idee von urbanem Leben mitten im Fischgewerbe.

Frage 2: Warum sollte ein Bauherr auf jeden Fall mit einem Architekten zusammenarbeiten?
_jp: In der Zusammenarbeit können unerwartete, für beide Partner überraschende Dinge entstehen, die ein Projekt sehr spezifisch machen. Wenn die Zusammenarbeit gelingt und sowohl der Architekt als auch der Bauherr sich Freiräume für ihre eigene Kreativität nehmen, kann eine sehr produktive Energie zu Ergebnissen führen, die frei von vorgefertigten Bilder und Klischees sind. Das erfordert eine sehr enge Bindung, Vertrauen und Mut zum Scheitern.

Frage 3: Wie würden Sie ihren architektonischen Stil beschreiben?
_jp: Das Wort Stil macht mich in der Regel skeptisch, weil es oft mit Masche verwechselt wird. Meine Arbeitsweise versuche ich in der Regel offen zu halten, sodass noch lange im Produktionsprozess neue Einflüsse wirksam werden können, ähnlich der Analyse. Assoziationen führen dann zu weiteren Assoziationen, die zu weiteren Assoziationen führen. Das finde ich anregend. Ich mag einerseits einen Pragmatismus, der so stark auf die Spitze getrieben wird, dass etwas Poetisches entsteht (japanische Aesthetik), anderseits eine Architektur der Narrative (Archigram), in der das Erleben der Nutzer an erster Stelle steht. Ein Stil sollte sich immer historischer und kulturgeschichtlicher Bezüge bewusst sein und sich selbst nicht allzu ernst nehmen.

Frage 4: Welches Buch oder welchen Film habe Sie zuletzt gelesen bzw. gesehen?
_jp: Filme von Tarkovsky und Lynch dehnen die Idee des Raumes und der Zeit in einer Weise, die in der Architektur nicht möglich ist. Kategorien wie das Irrationale und der Traum sind filmische Sujets, die zu selten Eingang in die Architektur finden. Überhaupt sollte sich die Welt der Architektur mehr mit dem Film als Inspiration beschäftigen: Ein Gebäude oder eine Stadt hat das Potential eine Reihung von Stills zu bilden: Raum für Akteure statt für passive Konsumenten- Nutzer.

Frage 5: Wer sind Ihre Vorbilder und warum?
_jp: Die 80er Jahre waren für mich in intellektueller Hinsicht eine prägende Zeit: Da begann ich mich für Musik zu interessieren, Satre und der Existenzialismus wurden wichtig und über die Musik auch der Surrealismus. In architektonischer Hinsicht sind es Künstler, die Architektur benutzen, um etwas zu transportieren über das Verhältnis Körper und Raum: Ives Klein, Bruce Naumann, Dan Graham oder James Turrell. Sicher ist mein alter ego das erste Vorbild…

Frage 6: Ist der Bauherr König, oder muss ein Bauherr durch einen erfahrenen Architekten zu seinem Glück geführt werden?
_jp: Weder der eine noch der andere sind absolutistische Herrscher. Es wird oft einfach vergessen, dass Bauen ein Prozess ist, bei dem viele Interessen verwirklicht werden müssen. Von Glück will ich gar nicht sprechen, denn es sind Kompromisse, die entstehen. Die sind mal mehr, mal weniger gelungen. Und bei derart komplexen Dingen wie der Architektur gibt es viele Ebenen, auf denen ein Projekt nicht gelingen kann.

Frage 7: Welcher Bereich im Architekturstudium hat Sie für Ihr Berufsleben am Besten vorbereitet?
_jp: Die Baurechtsvorlesung bei „Baumeister“ Hanno Wolfensberger.

Frage 8: Von Paul Valery stammt der Ausdruck „Architektur ist Stein gewordene Musik“. Was uns zu der Frage bringt, welche Musik Sie zurzeit gerne hören?
_jp: Stammt das nicht von Schopenhauer? Ich stelle mir oft vor, wie ein Raum aussehen kann, der klingt wie „Alina“ von Arvo Pärt. Ein Gespräch zwischen Violine und Klavier. Das hat mit Stein jedenfalls nichts zu tun, eher Helligkeiten und Dunkelheiten. Pausen dazwischen. Vielleicht sind die Wände aktiv und vibrieren, wenn sie berührt werden…

Frage 9: Welches Gebäude hätten Sie gerne entworfen und warum?
_jp: Den Eifelturm – das ist für mich ein echter architektonischer Witz. Erst wurde er vehement abgelehnt und heute liebt ihn jeder.

Frage 10: Architektur ist … ?
_jp: …eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt. Oder anders –  10 %Technik, 90% Wahrnehmung.

Und zum Schluss Frage 11: Welche Frage würden Sie welcher Person gerne stellen?
_jp: „Warum hast Du nicht mehr gebaut, Peter Cook?“

Vielen Dank Herr Purwin.
MArch DipIng Jörg Purwin, Architekt
Fettstrasse 5
20357 Hamburg
http://www.pvstudios.eu
j.purwin@pvstudios.eu

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  1. Pingback: Architektur ist zu Stein gewordene Musik | Archimag

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