11 Fragen an...

11 Fragen an … Dipl.-Ing. (FH) Holger Schnitzler

Portrait Holger Schnitzler

Weiter geht es mit der Interviewreihe „11 Fragen an …“ mit dem Architekten Holger Schnitzler, der, wie ich im Großraum Köln arbeitet und davon überzeugt ist, dass jede Bauaufgabe erst richtig gut wird, wenn der Dialog zwischen Architekt und Bauherr funktioniert.

Photo by Daniel McCullough

Herr Schnitzler stellen sie sich vor der ersten Frage doch kurz selber vor:

Mein Name ist Holger Schnitzler. Ich lebe in Düren und arbeite zurzeit in Köln. War bisher in verschiedenen Bereichen der Architektur und Innenarchitektur tätig. Darüber hinaus habe ich mich auch eingehend mit der Darstellung von Architektur/Visualisierung beschäftigt.

1Welches war Ihre erste Anstellung nach dem Studium?

Nach dem Studium habe ich zunächst in einem kleineren Architekturbüro gearbeitet in welchem ich schon in den letzten „Studentenjahren“ tätig war. Es war eine große Hilfe für die Praxis, da ich hier die Grundlagen aller Leistungsphasen kennengelernt habe und ich nach wie vor denke, dass man diese Einblicke eher in kleinen Büros erhält. Vor allem der Wohnungsbau und die ganz normalen aber liebevoll entworfenen Einfamilienhäuser haben mich fasziniert. Je mehr das Berufsbild in Richtung Dienstleistung und Spezialisierung abdriftet, desto kostbarer erscheint mir dieses „klassische Bild“.

2Warum sollte ein Bauherr auf jeden Fall mit einem Architekten zusammenarbeiten?

Ich habe 2 Jahre für einen Massivhausbauer/Bauträger gearbeitet und kenne daher die Vorgehensweise dieser Branche sehr gut. Das Rundum „Sorglos-Paket“ so wie es gerne angeboten wird, hat seine Tücken. Den Full Service eines guten Architekturbüros können diese Anbieter niemals leisten, da hier nur der Profit und die Einsparungen den Ton angeben. Es mag Ausnahmen geben. Aber ich konnte live miterleben wie an der Planung gespart wird und in der Ausführung dann die Probleme zulasten des Bauherrn gingen. Nach Vertragsabschluss verursachen die Wünsche des Bauherrn nur Kosten und somit sind sie eigentlich nur hinderlich. Das sollte sich jeder Häuslebauer einmal vor Augen führen. Aber Architekten sind ja ach so „teuer“…

3Wie würden Sie ihren architektonischen Stil beschreiben?

Das ist immer eine feine Frage. Wie soll ich sie beantworten? Grundsätzlich bin ich persönlich ein Freund der dezenten, zeitlosen Moderne … eine Architektur, die auch in Jahren noch Freude bereitet schwebt mir vor. Kurzfristige Trends können mit der Zeit sehr störend wirken. Über allem steht jedoch meiner Meinung nach der „Genius Loci“ also vielleicht vereinfacht gesagt das Setting und die Bedingungen der unmittelbaren Umgebung. Darauf sollte sich die Formensprache immer beziehen.

Ich glaube, dass die Bauaufgabe vom Dialog zwischen Bauherr und Planer lebt.

Holger Schnitzler
4Welches Buch oder welchen Film habe Sie zuletzt gelesen oder gesehen?

Auch da mag ich die Klassiker … ich habe noch mal die „Odyssee“ gelesen. Filme sind ein eigenes großes Thema für mich … das würde den Rahmen hier sprengen.

5Wer sind Ihre Vorbilder und warum?

Ich vermute mal, hier sind auch nicht die aus Film und Fernsehen gemeint, sondern die architektonischen … richtig?
Das kann sich phasenweise immer ändern. Ich mag die Bildsprache eines Renzo Piano … die zeitlosen Wohnhäuser eines Frank Lloydt Wright … die puristischen Formen von Luis Barragan … zurzeit habe ich ein Faible für kalifornische Residenzen der 50er-60er Jahre z.B. von Neutra, Lautner usw.

6Ist der Bauherr König oder muss ein Bauherr durch einen erfahrenen Architekten zu seinem Glück geführt werden?

Der Bauherr ist natürlich zunächst König … denn er hat ja einen Traum, den er verwirklichen möchte und für den er auch viel Geld bezahlt. Dazu braucht er aber, wie jeder König, einen guten Berater … nennen wir ihn mal Architekt … bietet sich ja gerade an. Es ist wohl bei Normalsterblichen eher selten, dass der Bauherr zum Architekten sagt: „mach mal wie du willst“ … das wäre ja lustig. Aber ganz ernsthaft … ich glaube, dass die Bauaufgabe vom Dialog zwischen Bauherr und Planer lebt … finde es aber auch legitim einen Bauherrn, der in die falsche Richtung läuft, mit wohlbegründeten Maßnahmen dem Gelingen näherzubringen.

7Welcher Bereich im Architekturstudium hat Sie für Ihr Berufsleben am besten vorbereitet?

Alle Teile waren irgendwie sehr nützlich … momentan profitiere ich eher von der Detailarbeit … und last but not least vom ganz normalen Skizzieren!
Jede Idee muss irgendwie aufs Papier bevor sie im Rechner landet … das ist täglich Brot.

8Von Paul Valery stammt der Ausdruck „Architektur ist Stein gewordene Musik“. Was uns zu der Frage bringt, welche Musik Sie zurzeit gerne hören?

Jazz, Drum n Bass, House, Soul ………………..

9Welches Gebäude hätten Sie gerne entworfen und warum?

Ich nenne jetzt kein berühmtes Gebäude … aber allgemein fände ich es sehr spannend mal einen religiösen Ort oder eine Gedenkstätte zu entwerfen … vielleicht sogar fernab der hiesigen Verwicklungen zwischen Städten, Kommunen und Interessengemeinschaften … derartige Aufträge sind meist nur mit einer ordentlichen Dosis Vitamin-B zu erreichen … deswegen fantasiere ich hier nur. Ein interessantes Gebäude in der Landschaft … wie gesagt nur eine Wunschvorstellung.

10Architektur ist … ?

im Prinzip der Aufbau der Dinge … das Wort alleine kann sich auf jegliche Bereiche beziehen … leider auch manchmal missbraucht … und in Jobanzeigen der Computerbranche verwurstest.

11Welche Frage würden Sie welcher Person gerne stellen?

Ach, es gäbe viele Menschen, denen ich gerne eine Frage stellen würde … ich halte es auch hier wie im gesamten Interview … ich frage Rem Koolhas ob er immer noch denkt, dass ein Gebäude ohne Bezug zum Kontext stehen kann nach dem Motto „fuck the context“?

Vielen Dank Herr Schnitzler.

Dipl.-Ing. (FH) Holger Schnitzler, Architekt
Merzenicher Straße 100
52351 Düren

Dies ist eine Überarbeitung des Interviews vom 14.04.2009. Die Überarbeitung hat hauptsächlich im Design stattgefunden.

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