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Wege aus der Krise: a2haus

a2haus rendering

a2haus rendering

Die Architektur steckt in der Dauerkrise und die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen machen die Lage nur noch schlimmer. Die Krise ist weltweit wie auch in den Interviews mit internationalen Architekten zu lesen ist. Jede Krise bietet aber auch eine Chance für die, die wissen wie man sie am Schopf packt. Ich möchte daher in lockerer Folge ein paar interessante Ideen vorstellen. Teilweise sind die Ideen nicht neu, aber dennoch nicht minder interessant oder ausgefallen. Den Anfang macht heute a2haus.

Die Firma a2haus entwirft, plant und baut individuelle Architektenhäuser zum Festpreis. Der Bauherr bekommt dabei – und das ist denke ich einmalig – 3 Entwürfe von unterschiedlichen Architekten zu einer sehr geringen Schutzgebühr von 1.000 Euro. Der Favorit des Bauherren wird dann  geplant und zum Festpreis umgesetzt.

Der Bauherr hat bis auf die Schutzgebühr für den „Wettbewerb“ keine Verpflichtungen. Die Firma a2haus schreibt dazu:

„Das nimmt vielen Bauherren in spe übrigens auch die Hemmschwelle, sich für unseren Weg zu moderner Architektur zu entscheiden. Bei uns gibt es also zu Beginn keine teure Skizze für den Preis von 3.000 bis 5.000 Euro, die dann oft nicht punkten kann. Stattdessen bekommt der a2-Bauherr gleich drei – und dies kostenfrei. Der Wettbewerb ist unsere Art, den einmal begonnenen Dialog mit dem potenziellen Bauherren fortzuführen“

Für die Schutzgebühr wird vor dem „Wettbewerb“ ein sehr ausführliches Planungs- und Beratungsgespräch unter Abarbeitung einer ständig in Modifizierung begriffenen Fragenliste mit den zukünftigen Bauherren geführt. Daraus resultiert ein sehr umfassendes Protokoll, das dann die Grundlage solider Entwurfsarbeit bildet. Im Ergebnis dieser kreativen Umsetzung der Aufgabenstellung erhält der Auftraggeber 3 komplette Sätze zeichnerischer Entwurfsdarstellungen. Neben 3D-Darstellungen der Außenansichten in exquisiten und sehr aufwendigen Renderings werden ein Lageplan mit Einordnung des Gebäudes im Baufeld und alle Grundrisse präsentiert.

a2haus baut grundsätzlich  ab 1950€/qm, manchmal auch darunter, aber eher selten. Die Zielgruppe der Firma sind in der Regel Ü30-Personen, die über das nötige Budget verfügen, also eher der  Führungsebene angehören. Dennoch ist aber jeder willkommen.

Das Konzept ist interessant, da es doch über den grundsätzlich anderen Ansatz Aufmerksamkeit bei den Bauherren erzeugt. Sehr interessant fände ich was andere Architekten von diesem Ansatz halten. Ist er auch für andere Büros eine alternative oder wird damit die Entwurfsleistung zu preiswert verkauft? Ich würde mich über eine interessante Diskussion in den Kommentaren freuen.

Um sich ein besseres Bild machen zu können folgt im Anschluss noch ein Interview mit dem Gründer von a2haus, Herrn Pohle und einige Bildes von a2haus Projekten.

Herr Pohle, wenn Sie a2haus in einem Satz erklären müssten, was würden Sie sagen?

_Hanspeter Pohle [hp]: Das Konzept von a2haus beinhaltet Entwurf und Fertigung individueller und zeitgenössischer Eigenheime, die sich architektonisch von der Masse abheben – jedes einzelne ein Unikat.

Herr Pohle, wie würden Sie sich selber beschreiben?

_hp: Wie würde ich mich selber beschreiben? Ich bin ein vielseitig interessierter, ambitionierter und recht emotionaler Mensch mit hohen Ansprüchen an mich selbst und an das, was ich unternehme. Ich bin Optimist und arbeite akribisch an meinen Zielen. Aufgeben gibt es für mich nicht – man muss manchmal nur die Perspektive ändern und hin und wieder neue Wege beschreiten. Darüber hinaus arbeite ich sehr zielorientiert und möglichst kreativ. Fairness gegenüber anderen halte ich für unerlässlich.

Zu meinen größten Schwächen zähle ich meine mangelnde Beherrschung und Ruhe in Extremsituationen. Mein Vater beispielsweise besitzt diese Eigenschaften. Ich hätte sie auch gern in jeder Situation. Mit zunehmendem Alter, ich bin jetzt 43 Jahre alt, arbeite ich immer erfolgreicher an der Optimierung meines Charakters besonders in dieser Hinsicht.

Welche Bauwerke lösen bei Ihnen Leidenschaft und Emotionen aus?

_hp: Zu aller erst sind es ganz klar immer die, die ich gerade selber entwerfe und realisiere.

Fremdentworfene Gebäude, die in mir Emotionen auslösen, sind beispielsweise das Hiroshima-Gedenkmuseum mit seinem Mosaiksaal, einem sehr schönen Wasserspiel und seinem durchdachten Konzept. Hier wirkt die Architektur natürlich durch die dahinter stehende Geschichte in höchstem Maße – die Erinnerung an menschliches Handeln im zweiten Weltkrieg.

Allgemein beeindrucken mich die verschiedensten Projekte von Tadao Ando – allen voran seine Kirche des Lichts, die Kirche auf dem Wasser, das Literaturmuseum in Himeji und sein an Genialität kaum zu übertreffendes „4×4 Haus“ in Kobe. Dieses begegnete mir auf meiner letzten Reise durch Japan nur deshalb, weil ich nicht genug Geld für die Autobahnmaut gewechselt hatte und daher eine völlig überlastete Nebenstraße am Meer entlang fahren musste. Heute halte ich das für eine grandiose Fügung, denn auf Bildern, die ich kannte, sah dieses Bauwerk nicht halb so beeindruckend aus.

Was würden Sie gerne erfinden und zum Leben erwecken?

_hp: Ich will mich immer wieder neu erfinden, immer wieder neue Wege gehen und dadurch neue Raum- und Wohnkonzepte zum Leben erwecken. Ich möchte für den jeweiligen Kunden eine inspirierende und nachhaltig nutzbare Heimstatt erschaffen, die weitgehend ohne Überflüssiges auskommt, im Sinne einer Umsetzung eines sich selbst erklärenden, schlüssigen Konzeptes, dass dauerhaft eine positive Wirkung auf seine Bewohner entfaltet.

Weiterhin würde ich gerne einen unsichtbaren Coach erfinden und stets bei mir haben. Der kann mich dann immer und überall, am besten nur über das Unterbewusstsein – quasi nicht störend – an die Qualitäten des Lebens und die wirklich wichtigen Bestandteile des Glücks erinnern und Überflüssiges aussortieren.

Ihr größtes Ziel?

_hp: Zufriedenheit.

Wie verbringen Sie am liebsten Ihre freie Zeit?

_hp: Mit meiner Familie – mit meiner Frau und meinen vier Kindern, meinem Bruder und meinen Eltern und Omas und meinen acht besten Freunden. Ich brauche Menschen um mich, die mir was bedeuten – besser kann man seine freie Zeit eigentlich nicht nutzen.

In meiner Freizeit suche ich Entspannung. Diese finde ich zum Bespiel auch im Zeichnen und Reisen. Ich bin immer auf der Suche nach guter Architektur und emotionalen Verbindungen zur Vergangenheit. Außerdem interessiere ich mich für Ölmalerei, Plastik, Fußball, Bücher und gute Filme.

Mittlerweile kommt immer öfter vor, dass die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit verschwimmen. Meine Arbeit wird zu Berufung und ich ertappe mich dabei, wie ich eine attraktive Entwurfsaufgabe schon in der Freizeit in Form von Skizzen beginne, weil sich meine Kreativität ihren Weg bahnt. Vorzugsweise geschieht dies, wenn es mir ausgesprochen gut geht.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen und wie fanden Sie es?

_hp: „Hectors Reise“ von Francois Lelord, eine unterhaltsame literarische Suche nach dem Glück und parallel noch ein weiteres: Tiziano Terziani „Und noch eine Runde mit dem Karussell“, ein positives Buch über die letzten Phasen eines erfüllten Lebens.

Beide Bücher haben – jedes zu seiner Zeit – meinen Blick für das wahre Glück geschärft.

Welche Musik hören Sie zurzeit?

_hp: Eigentlich alles was Qualität hat. Beispielsweise das gesamte Oeuvre der „Eels“, die Filmmusik zur „Reise des jungen Che“. Während meiner Reisen höre ich meist die von meinem mittleren Sohn extra für mich zusammengestellten Compilations, die mich immer mit den aktuellsten Independent-Songs konfrontieren.

Und gerade gestern habe ich an einer Tankstelle eine kubanische Folkloreplatte gekauft, die mich sehr begeistert.

Haben Sie Visionen für die Zukunft?

_hp: Privat: Ich sehe meine Kinder allesamt zufrieden – ein Jedes auf seinem Level und nach seiner Fasson – ihr Leben lebend.

Meine Frau sehe ich auch im Alter an meiner Seite. Wir genießen unsere verdiente freie Zeit und blicken auf das zurück, was wir durch unser gemeinsames Tun geschaffen haben. Mich selbst sehe ich zufrieden in heute noch ungeahnten Sphären agieren und relaxt die Schönheiten der Welt genießend.

Geschäftlich: Die Marke a2 wird sich weiter etablieren. Ich stelle mir vor, dass auf jedem Kontinent etliche hochwertige a2häuser an möglichst attraktiven Orten stehen: an Küsten, im Wasser, auf Bergen, in Bambuswäldern und in Weizenfeldern. Gebaut für inspirierte und inspirierende, positive Menschen, die das Gute und Besondere zu schätzen wissen.

Des Weiteren möchte ich Herausforderungen meistern, die jeden Gestalter mit Glück und Freude erfüllen. Museen, eine Kirche und auch ein Kindergarten werden – hoffentlich stilvoll und im besten Fall zeitlos gut– entworfen, geplant und umgesetzt sein.

Was bedeutet Unternehmenskultur für Sie?

_hp: In erster Linie verstehe ich darunter ein faires Miteinander aller Mitarbeiter und Geschäftspartner zum allseitigen Nutzen. Weiterhin möchte ich – das ist schon heute immer öfter der Fall und ich freue mich über dieses Privileg – ausschließlich für Kunden arbeiten, die fair, interessiert und korrekt mit uns umgehen. Damit meine ich Kunden, die mit uns auf einer Wellenlänge liegen und das gleiche Ziel fokussierend mit uns zusammen arbeiten. Nur daraus entstehen zeitgenössische Bauten mit Esprit und möglichst einem Unikats-Charakter. All das soll aus der Arbeit auf höchstem Niveau, Lebensweisheit und damit verbundener Lockerheit resultieren.

Welche gestalterische Leistung hat Sie am stärksten beeindruckt?

_hp: Das ist schwer zu sagen. Es gibt einige architektonische Leistungen, die mich sehr faszinieren, in ihrer Anmutung dennoch sehr unterschiedlich sind. Für mich war es wohl ein ultramoderner Stuhl eines mir unbekannten Gestalters aus dem 10. Jahrhundert, der in einem Vorraum eines Tempels in Kyoto stand. Man kann sich diesen Stuhl in etwa so vorstellen: Schwarz hochglanzlackierte gerade Holzlatten, unsichtbar verbunden in klarer Struktur. Für mich war es ohne Zweifel ein vorgedachter „Gerrit Rietfeld-Stuhl“, erbaut in einer geradezu maschinellen Qualität – ohne erkennbare Lackfehler und Maßabweichungen, gestaltet in klarster Form – und ohne die bunten Farben des Nachfolgers. Für mich war dieser Stuhl ein Sinnbild gelassener und vollendeter Kreativität mit einer sagenhaften Langzeitwirkung.

Das zeigt mir, dass man nur äußerst selten der geniale Schöpfer sein kann. Das meiste wurde irgendwo und irgendwann schon einmal gedacht, gerade in der Architektur. Für mich ist das dennoch kein Problem. Die Hauptsache ist, dass man als Architekt nichts kopiert. Fremdinspiration ist freilich erlaubt, aber man sollte diese Inspiration weiter entwickeln und seine eigenen Vorstellungen und Ideen in die Umsetzung eines Bauwerkes einfließen lassen.

Welche Gestaltertugenden halten Sie für die wichtigsten?

_hp: Man darf nie aufhören, an sich zu arbeiten, man muss anerkannte Qualitäten hinterfragen und sich dem Wettbewerb stellen, sei es noch so schwer und scheinbar aussichtslos. Von besonderer Bedeutung ist eine gewisse Offenheit in diesem Beruf. Man sollte immer zugänglich für äußere Einflüsse und Ideen jüngerer Leute sein, das hält frisch und kreativ.

Weiterhin gehört es immer wieder zum Beruf, sich zurück zu nehmen und nicht vordergründig nach Effekten zu haschen. Das fällt mir manchmal schwer – aber ich arbeite daran, diese Tugend zu erlangen. Es ist schwer, nicht beliebig – aber auch nicht zu pointiert, individuell – aber doch einfach und klar zu entwerfen.

Welchen Entwurf hätten Sie selbst gern verantwortet?

_hp: Da kann ich keinen speziellen nennen. Leider stehe ich immer wieder vor den Leistungen anderer und staune über deren Qualitäten.

Welchen Ihrer Entwürfe halten Sie für den gelungensten?

_hp: Besonders bezeichnend und gelungen ist unser dreidimensionales doppeldeutiges Marken-Logo. Bei der Arbeit am Logo habe ich auch gelernt, Zuarbeiten anzunehmen, zu bewerten und gezielt zusammenzustellen. So entstand ein Ergebnis, mit dem ich – und das ist nicht gewöhnlich – noch heute nach etlichen Monaten zufrieden bin und mir immer noch nicht vorstellen kann, das sich das einmal ändert.

Meine umgesetzten Hausentwürfe sind allesamt Unikate. Ich habe damals versucht, alle relevanten Gegebenheiten zu berücksichtigen. Ich bin mir sicher, dass ich jeden einzelnen Entwurf zum jeweiligen Zeitpunkt nach bestem Wissen und Gewissen realisiert habe.

Folgerichtig kann und will ich keinen meiner Entwürfe hervorheben und muss auch keinen als schlecht deklarieren. Jeder neue Entwurf wird einen neuen Aspekt besitzen, den ich mir eben erst zu Eigen gemacht habe und der somit einen Fortschritt zum vorhergehenden darstellt. Das ist der Lauf der Dinge. Wichtig ist nur Eines: habe ich immer alles Mögliche getan, habe ich mich und meinen Entwurf genügend hinterfragt, um das optimalste und beste Ergebnis für seine Bewohner zu erzielen? Diese Fragen kann ich überwiegend, und ohne lang zu überlegen, mit ja beantworten.

Welcher Innenraum hat Sie am meisten beeindruckt?

_hp: Besonders beeindruckt hat mich das Hotelzimmer eines Hotels an der Inlandsee in Japan, von dem aus ich einen Blick auf den im Wasser stehenden Tori vor Miyajima hatte. Was dieses Zimmer auszeichnete: Ein modernes, geradlinig in naturbelassenem Zedernholz gefasstes Panoramafenster mit eben diesem Ausblick und die an diesem Abend sowie am folgenden Morgen damit verbundene gefühlte Zufriedenheit. Dieser wunderbare Meerblick, der bequeme Futon auf den Tatami und die einfache Noblesse der gediegenen und spärlichen Möblierung bildeten das Ambiente für positive Erinnerungen an eine faszinierende Japanrundreise.

Ein Raum wirkt auf mich nur dann nachhaltig, wenn ich irgendeine gravierende emotionale Erinnerung mit ihm verbinden kann – dasselbe gilt für die Außenhülle von Gebäuden. Der Moment und die emotionale Qualität ergänzen die architektonische Wirkung auf mich – oder eben nicht. Das neue BMW-Headquarter in München berührt mich beispielsweise fast nur durch die planerische Leistung und die handwerkliche Umsetzung, aber es nimmt mich „gefühlsmäßig“ nicht gefangen. Vielleicht liegt das auch an der schieren Größe und an der mir unangenehmen Verschwendung von derartigen Ressourcen, zugunsten einer gleichwohl spektakulären Formgebung.

Die Firma a2haus sucht dauernd Architekten die an dem Wettbewerbsprozess teilnahmen möchten.

Nochmal der Aufruf zur Diskussion. Was haltet Ihr von diesem Konzept?

Kategorie: Magazin

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Ich bin Architekt und seit 2009 veröffentliche ich archimag.de. Wenn Ihr Wünsche oder Anregungen habt, dann her damit. Ich freue mich über Eurer Feedback.

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