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Meine Top 5 der spektakulärsten Ruinen der modernen Architektur

Sanzhi Pod City, Sanzhi, New Taipei City, Taiwan (c) Jauder Ho GettyImages

Großartig, perfekt und fertig. So werden uns die Gebäude gerne in Hochglanz präsentiert. Obwohl wir in Deutschland gerade mit dem einen oder anderen Ort Probleme haben. Auf der anderen Seite pilgern wir zu den Ruinen der alten Zeit und bestaunen die Baukunst der Römer und Griechen. Vergessen sind aber die neuen Ruinen oder unvollständigen Bauten. ArchiFlops nimmt sich diesen an. Und auch hier kann man noch einige daraus lernen.

Wer kennt die Baurunien unserer Zeit schon? Sind es nicht die Gebäude, die man ungern erwähnt? Alle diese Gebäude wurde gebaut weil man davon ausging, dass tausende Menschen kommen würden oder das sie riesige Gewinne abwerfen würden. Interessanterweise sind viel Freizeitparks dabei. Sehr oft versucht man die Gebäude von der Landkarte zu streichen. Aber ist das der richtige Weg? Kann man nicht auch aus diesen Planungen lernen? Diese Frage stellt sich Alessandro Biamonti in seinem Buch ArchiFlops. Und egal wie die Antwort ausfällt, die Ruinen sind alle schön anzusehen und haben interessante Geschichten.

Hier habe ich meine ganz persönliche Top 5 zusammengestellt.

Spreepark, Berlin, Deutschland (c) Athanasios Gioumpasis GettyImages

Spreepark, Berlin, Deutschland (c) Athanasios Gioumpasis GettyImages

5Der Spreepark in Berlin. Nicht nur hier aufgeführt, weil ich Berliner bin. Gebaut wurde der Park 1969 und war bis 2001 in Betrieb. Der Spreepark war einer der Vergnügungsparks in der DDR. Sehr bezeichnend, dass eine repressive Diktatur viele solcher Ort des Vergnügens gebaut hat. Brot und Spiel für das Volk – das beherzigten schon die Römer. Nach der Schließung des Parks kam der Wald zurück und schaffte eine Atmosphäre, die nicht nur von Horrorfilmern geschätzt wurde. Nach und nach wurden aber Attraktionen verkauft und nach dem Jahr 2014, in dem ein Feuer den Rest zerstörte, ist fast nichts interessantes mehr übrig.

Hashima Nagasaki, Japan (c) TheAsahiShimbun via GettyImages

Hashima Nagasaki, Japan (c) TheAsahiShimbun via GettyImages

4Nein – James Bond – Skyfall ist hier nicht gedreht worden, aber Hashima hat zumindest als Vorbild für die Kulisse gedient. Die Insel ist eine knapp 1 Quardartkilometer große künstliche Insel, die entstanden ist, weil hier unterseeische Kohlevorräte gefunden worden. Die Versorgung mit Kohle von hier wurde nach 1810 immer wichtiger, dass bis 1974 nach und nach Arbeiter mit Ihren Familien in absurd kleinen Wohnungen untergebracht worden. 1959 war es der dichtest besiedelte Fleck auf der Erde mit 3450 Einwohnern/qkm. Seit 1974 verfällt die Insel und ist jetzt für Touristen und Filmemacher ein interessanter Ort. Außerdem zeigt die Ruine die dunklen Seiten der Industrialisierung. An den schlimmen Wohn- und Arbeitsumständen sind endliche Menschen gestorben. Zurecht ist die Insel 2015 als Industrieort in das Weltkulturerbe aufgenommen worden.

Ryugyong-Hotel, Pjöngjang, Nordkorea (c) Reuters BobbyYip Contrasto

Ryugyong-Hotel, Pjöngjang, Nordkorea (c) Reuters BobbyYip Contrasto

3Das Ryugyong-Hotel in Pjöngjang gibt es nicht – zumindest wenn man den offiziellen Karten und Stadtansichten glaubt. Diese Geschichte könnte sich überall auf der Welt wiederholen (hallo BER) und ist zu gut. 1986 wurde das damals höchste Hotel in Südkorea eröffnet. Ein Zustand den Kim Jong-II nicht hinnehmen konnte. Der ordnetet den Bau des 330m hohen Hotelturms mit 105 Stockwerken und 360.000 qm Nutzfläche an. 3000 Hotelzimmer waren nach der Bauzeit von zwei Jahren geplant und dann ging etwas fürchterlich schief. Der Rohbau war zwar fertig und damit das siebthöchste Haus der Welt, aber 1992 waren alle Mittel verbraucht und noch lange nicht alles fertig – selbst die Fassade gab es noch nicht. Die Wirtschaft, auch wegen dem Zusammenbruch der UDSSR, ließ ein Weiterbau nicht zu. 2008 investierte das ägyptische Telekommunikationsunternehmen Orascom und baute das Hotel weiter. Geplante Eröffnung war 2012 zum 100. Geburtstag des Ewigen Führer. Naja ich denke es gab dann doch nur eine Krawatte. Bis heute gibt es noch keine Termin und solange wird der Turm auf den Karten auch nicht auftauchen.

Sanzhi Pod City, Sanzhi, New Taipei City, Taiwan (c) Jauder Ho GettyImages

Sanzhi Pod City, Sanzhi, New Taipei City, Taiwan (c) Jauder Ho GettyImages

Die Bevölkerung nennt bis heute die spukenden holländischen Seemänner als Grund, dass das Projekt gescheitert ist.

2Was nach Sience-Fiction der 1960er- oder 1970er-Jahre aussieht, sollte eine Ferienhaussiedlung in Taiwan werden. Die Entwürfe gehen auf das Futuro-Haus des finnischen Architekten Matti Suuronen zurück und sind aus Kunststoff. Die Häuser sollten einen hohen Standard haben und an einen sehr modernen Freizeitpark angrenzen. Alles in allem einen guten Idee, die im Detail aber irgendwo schiefgegangen ist. Die lokale Bevölkerung nennt bis heute die spukenden holländischen Seemänner, die auf dem Gelände begraben sind, als Grund, dass das Projekt gescheitert ist. Fakt ist, dass die Gebäude 2008 trotz heftiger Proteste abgerissen worden und dort ein neuer Badeort entstehen sollte. Bis heute ist aber noch nichts passiert. Schade um die Häuser – selbst verfallen habe die noch Charme.

Palatst der Kommunistischen Partei Bulgariens (c) ImpactPressGroup NurPhoto Corbis

Palast der Kommunistischen Partei Bulgariens (c) ImpactPressGroup NurPhoto Corbis

1Auf diesem Berg wurde nach 500-jähriger Osmanenherrschaft die letzten Türken besiegt und die sozialistische Arbeiterpartei Bulgariens gegründet. Das war 1891 und 1981 sollte zum Gedenken an diesen Anlass, aber auch an die Befreiung von der Herrschaft Hitlers, dieses Hauptquartier der Partei errichtet werden. 6000 Arbeiter verarbeiteten 7 Milliarden Euro und 60 Künstler verzierten das Gebäude. Der rote Stern auf dem Turm war drei mal größer als das Vorbild auf dem Kreml. Nach dem Fall der Regierung (und des Systems) 1989 war dann Schluss mit dem Bauarbeiten und seit dem verfällt der Gebäudekomplex.  Meine Nummer 1, da man in der Landschaft sofort einziehen möchte und das Gebäude so perfekt die Ironie der Geschichte zeigt.

Und wer jetzt mehr wissen und viele weitere Beispiel ansehen möchte, kauft sich das Buch.

Archiflop: Gescheiterte Visionen. Die spektakulärsten Ruinen der modernen Architektur
3 Bewertungen
Archiflop: Gescheiterte Visionen. Die spektakulärsten Ruinen der modernen Architektur*
  • Alessandro Biamonti
  • Deutsche Verlags-Anstalt
  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten

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Ich bin Architekt und seit 2009 veröffentliche ich archimag.de. Wenn Ihr Wünsche oder Anregungen habt, dann her damit. Ich freue mich über Eurer Feedback.

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