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KfW-Förderungen 2016

Fensterladen Köpenick
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Der Bauherr denkt „Ich brauche ein KfW-55-Haus“ und meint „Ich möchte nicht zu viel Heizkosten in Zukunft zahlen“.  Schon hier liegt das erste Missverständnis. Wenn das Haus ein „KfW-Stempel“ hat, so ist es deshalb nicht unbedingt sparsamer als eines ohne. Dennoch lässt sich natürlich eine gewisse Qualität ableiten.

Wer bauen will, der muss ich mit einer Vielzahl von Anforderungen und Vorschriften auseinandersetzten und sehr viele Entscheidungen für die Zukunft treffen. Der Architekt und gegebenenfalls ein gesonderter Energieberater können hier natürlich beraten und erklären, aber die Entscheidung liegt bei den Bauherren. Und gerade beim Thema Haustechnik und Energie sind die Möglichkeiten vielfältig und jedes Jahr wieder neu zu bewerten.

Seit 2016 wieder interessant.

Die neuen Förderprogramme der KfW-Bank, welche hauptsächlich das 55, 40 und 40plus Haus betreffen sind seit dem 01.04.2016 wieder interessant.

Nicht nur wurde die Kreditsumme auf 100.000 Euro je Wohneinheit verdoppelt, der Tilgungszuschuss ist dennoch gleichgeblieben. Zusammen mit dem neunen Programmen ergibt sich das folgenden Bild:

KfW-Effizienzhaus 40 Plus. Tilgungszuschuss:  15 % der Darlehenssumme, bis zu 15.000 Euro für jede Wohneinheit

KfW-Effizienzhaus 40. Tilgungszuschuss: 10 % der Darlehenssumme, bis zu 10.000 Euro für jede Wohneinheit

KfW-Effizienzhaus 55. Tilgungszuschuss: 5 % der Darlehenssumme, bis zu 5.000 Euro für jede Wohneinheit

40 plus, 40 und 55 haben natürlich verschieden Anforderungen an das Haus. Die meisten Bauherren denken zunächst an ein KfW-55-Haus. Jetzt stellt sich die Fragen, wie kann man dieses erreichen – natürlich ohne zu viel zu investieren? Immerhin dürfen die Zusatzkosten abzüglich der Einsparungen in den ersten, sagen wir, 10 Jahren die zusätzlichen Kosten nicht übersteigen.

Zu hoch – zu weit – zu teuer

Oft wird in einen Richtung beraten. Man muss einen Wärmepumpe und eine Lüftungsanlage bei gleichzeitig sehr guter Außendämmung des Hauses einsetzten. Soweit sachlich und energetisch richtig und ökologisch sinnvoll, aber nur die halbe Wahrheit. Entsprechend des Satzes „Ein gutes Pferd springt knapp.“ gilt: man will ja nur den Standard erreichen und nicht zu viel Geld ausgeben. Deshalb lohnt es sich das Haus im Detail exakt durchzurechnen und gegebenenfalls etwas weniger Technik ins Haus zustecken.

Ein Märchen ist, dass man mit einer Gasbrennwerttherme kein KfW-55 erreichen kann. Es geht ich brauche dann nur eine Lüftungsanlage, eine solare Unterstützung für das Brauchwasser und eine gute Dämmung.

Alle Alternativen mit Wärmepumpe (ob Luft-Wasser, Sole-Wasser oder Wasser-Wasser) funktionieren dann natürlich auch. Es soll sogar ein kleines Fenster in den Berechnungen geben, in dem ich auf eine Lüftungsanlage verzichten kann.  Ob das sinnvoll ist, bezweifle ich aber.

Thema Lüftung

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Immerhin werden die Häuser gewollt immer dichter und der nötige Luftwechsel ist per Hand immer schwieriger hinzubekommen. Ich bin der festen Meinung, dass – machbar oder nicht – ein KfW-55-Haus oder besser ohne Lüftung keinen Sinn mehr macht. Das zeigen auch die Referenzwertberechnungen der KfW, welche bei KfW-55 bei allen Heizungsarten eine kontrollierte Lüftung verlangen.

Eine Lüftung bringt natürlich auch viele Vorteile, wie immer frische Luft, auch nachts und nach dem Urlaub, auf Wunsch einen Pollenschutz für das Haus, Lärmschutz von außen und natürlich die Wärmerückgewinnung. Eine zentrale, kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung im Neubau häufig angeboten. Aber auch hier gibt es mit dezentralen Lüftungen Alternativen, wie man Sie auf inventer.de sehen kann.

Insgesamt könnte man am Ende dieser Zusammenstellung noch anmerken, dass es vielleicht nicht sinnnvoll ist den Energiestandard für Neubauten immer weiter zu verschärfen, wenn auf der anderen Seite tausende von Häusern mit uralten Heizungen und schlechten Dämmungen in Deutschland stehen. Die Häuser die der EnEV 2016 entsprechen, sind schon im Standard sehr gut und die Einsparungen bei einem besseren Standard stehen wohl eher nicht im vernünftigen Bezug zu den Mehrkosten. Somit ist der übersetzte Gedanke „Ich möchte nicht zu viel Heizkosten in Zukunft zahlen.“ schon mit einem „normalen“ Neubau mehr als gesichert.

Fazit

Die KfW-Förderungen 2016 sind interessant, solange die Mehrkosten übersichtlich bleiben. Mit etwas mehr Planungsaufwand kann ich auf teure Anlagentechnik verzichten. Die Lüftung bei KfW-55 und besser ist obligatorisch – aber auch hier gibt es Preisunterschiede.

Die Häuser 2016 sind auch ohne KfW-Standard besser als alles was wir je gebaut haben und die Mehrkosten muss jeder selber rechtfertigen.

Bilder: Fenster an einem sanierungsbedürftigen Haus in Berlin-Köpenick von Elisabeth Belik

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Ich bin Architekt und seit 2009 veröffentliche ich archimag.de. Wenn Ihr Wünsche oder Anregungen habt, dann her damit. Ich freue mich über Eurer Feedback.

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