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Wie schütze ich mein Haus vor Hochwasser?

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Wer seine Immobilie in der Nähe von fließenden Gewässern hat, kennt die Angst vor den Naturgewalten. Immer häufiger treten auch in Deutschland die Flüsse über die Ufer und reißen ganze Häuserzeilen mit sich. Der Schutz vor Hochwasser ist daher ein immer wichtigeres Thema. Schon beim Bau können wichtige Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Kommt es dennoch zum Ernstfall, helfen bestimmte Verhaltensregeln, den Schaden auf ein Mindestmaß zu begrenzen.

Gefährdete Gebiete möglichst meiden

Stopp Hochwasser

Stopp Hochwasser

Häuslebauer in hochwassergefährdeten Gebieten müssen sich von vornherein über Mehrkosten im Klaren sein. Denn um das Eindringen von Wasser bei der nächsten Flut zu verhindern, sind spezielle Baumaßnahmen nötig. Der beste Schutz ist natürlich, die betroffenen Gebiete möglichst weiträumig zu meiden und in sicherer Entfernung großer Flüsse zu bauen.
Dabei ist zu beachten, dass nicht nur die direkte Ufernähe als Überschwemmungsgebiet gilt. Das Hochwasserschutzgesetz zählt auch solche Flächen dazu, die bei einer Flut zur Entlastung und zum Rückhalt des Wassers genutzt werden. Dort dürfen heute grundsätzlich keine Neubauten errichtet werden. Ausnahmegenehmigungen sind aber möglich. Sie werden meist dann erteilt, wenn durch den Bau der Hochwasserschutz nicht gefährdet ist und keine Gefahr für die im Gebäude lebenden oder arbeitenden Menschen besteht. Hochwasserkarten geben Auskunft über die Regionen in Deutschland, die von Überschwemmungen bedroht sind.

Die richtige Architektur bietet einen Basisschutz

Ein Haus ist am besten gegen Überschwemmungen geschützt, wenn die Architektur spezielle bauliche Maßnahmen vorsieht und das Gebäude den natürlichen Gegebenheiten entsprechend genutzt wird. Optimal ist es, die Immobilie auf Betonpfählen zu errichten und nicht zu unterkellern.
Das gefällt allerdings vielen Bauherren nicht, weil sie dadurch wertvolle Nutzfläche verlieren. Wer also nicht darauf verzichten will, sollte das Untergeschoss und das Erdgeschoss professionell gegen Wasser abdichten. Dabei müssen Materialien verbaut werden, die unempfindlich sind gegen Feuchtigkeit und sehr stabil sind. Dazu gehören Beton, Voll- oder Kalksandsteinziegel. Innen können die Wände mit Kalkzement verputzt und mit einem mineralischen Anstrich versehen werden. Bei der Auswahl von Kunststoff- oder Aluminiumfenstern auf eine wasserdichte Variante achten.
Einbauten, die im Ernstfall nicht in Sicherheit gebracht werden können, haben in den untersten Etagen nichts verloren. Experten empfehlen, den Parterre-Bereich möglichst weit über der Erdoberfläche zu beginnen. Parkett, Laminat und Teppiche sind natürlich im Erdgeschoss und erst Recht im Keller tabu. Vielmehr sind Fliesen oder Granit zu empfehlen. Eher ungeeignet sind Sandstein und Marmor, da diese viel Wasser aufsaugen.
Ein großes Problem bei Altbauten ist die Stabilität. Da die Bodenplatten meist noch keine Bewehrung aufweisen, brechen sie unter dem Druck des Stauwassers zusammen. Daher sollten die Besitzer älterer Immobilien die Bodenplatte mit einer Stahlbewehrung nachrüsten. Später hinzugefügte Trennwände am besten mit Vollziegeln setzen. Liegen im Erdgeschoss oder Keller noch Teppiche oder Parkettplatten, können diese gegen Fliesen oder eine Beschichtung aus Epoxidharz ausgetauscht werden.

Hochwasser

Hochwasser

Eine weitere wunde Stelle ist die Fassade, die bei älteren Häusern meist nicht gedämmt ist. Wird die Außenisolierung nachträglich angebracht, so sind hier Platten aus geschlossenzelligen Kunststoffmaterialien am besten. Auf Höhe des Erdgeschosses können Sperr- und Isolierputze zusätzlichen Schutz vor Feuchtigkeit bieten.

Wichtig sind auch die Leitungssysteme im Haus. Bei heftigem Regen gerät das Abwassersystem schnell an seine Grenzen – die Folge ist ein Rückstau des Wassers ins Haus, der aber durch spezielle Sicherungen an den Abflüssen verhindert werden kann. Einen besonderen Schutz vor hohem Wasserdruck benötigen Öltanks. Sie müssen mit extra Halterungen an der Bodenplatte verankert werden. Besser ist es, von vornherein auf diesen Brennstoff zu verzichten. Bei Altbauten sollten die Ölheizungen durch andere Energieträger wie Pellets oder Wärmepumpen ersetzt werden. Oder wenn möglich, die Anlage in ein höheres Stockwerk verlegen.

Das gilt ebenso für die gesamte Elektronik. Auch diese ist im Keller oder Erdgeschoss hochwassergefährdeter Häuser schlecht aufgehoben. Alternativ bieten sich für den Ernstfall schnelle und einfache Abschaltvorrichtungen für Strom, Gas und Wasser an. Vergessen werden sollte auch nicht, einen Notfallplan und Checklisten vorzubereiten, um bei drohender Gefahr in Ruhe die wichtigsten Schritte abarbeiten zu können.

Rund um das Gebäude sind noch einige weitere  Vorbeugemaßnahmen sinnvoll. Dazu gehören ausreichend große Rückhaltebecken für Regenwasser, möglichst wenig Versiegelung und stattdessen durchlässige Beläge wie Rasengittersteine auf dem eigenen Grundstück. Das Regenwasser sickert dann schneller ins Erdreich und belastet weniger die Kanalisation. Eine weitere Idee, die Wassermenge zu reduzieren, sind Gründächer. Sie speichern Regenwasser und lassen es zum Teil wieder verdunsten. Für weitere Informationen zum Thema Hochwasser können sie sich hier einen kostenlosen Ratgeber herunterladen: http://www.baufi24.de/ratgeber/hochwasser-alles-was-sie-wissen-muessen/

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Ich bin Architekt und seit 2009 veröffentliche ich archimag.de. Wenn Ihr Wünsche oder Anregungen habt, dann her damit. Ich freue mich über Eurer Feedback.

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