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Nachtragsangebote – Notizen aus dem Architekturbüro (6)

Ambos + Weidenhammer
Ambos + Weidenhammer

Ambos + Weidenhammer

Hellmut Ambos spendetet archimag seine Notizen aus dem Architekturbüro, die jetzt hier jede Woche Stück für Stück dargeboten werden. Die kurzen bis sehr kurzen Texte bieten lustiges, überraschendes, aber immer einen Moment des Nachdenken – ein Nachtragsangebot eben.

Nachtragsangebot 6

Als ich einmal Chefarchitekt in einem kleineren Architekturbüro war, fragten wir uns oft, warum im Fernsehen keine Architekten-Sitcoms gesendet wurden, wohl aber Sitcoms über Rechtsanwälte, Verkäuferinnen, Ärzte, wie auch Sitcoms über Schwule und Sitcoms über Sitcoms und stellten verwundert fest, dass es anscheinend in Rechtsanwaltskanzleien, bei Psychologen, in Krankenhäuser, in Kaufhäusern, ja sogar in Gefängnissen lustiger zugeht als in Architekturbüros. Wir vermuteten, dass die Stimmung in den verschiedenen Berufen ganz entscheidend von den darüber gesendeten Sitcoms geprägt wird. Als es daher vor Weihnachten etwas ruhiger wurde, begannen wir mit der Entwicklung einer Sitcom im Architekturbüro.

Sofort kam der Vorschlag, Frau März die Rolle des automatischen Obentürschließers zuzuweisen. Dies wurde, außer bei Frau März, mit großer Begeisterung aufgenommen, aber auch mit Skepsis, ob der gemeine Fernsehzuschauer denn überhaupt wisse, etwa aus Baumarktsbesuchen, was ein automatischer Obertürschließer sei und ob das also nicht eher ein Insiderwitz wäre. Daraufhin schlug Frau Strobel vor, den Hund des Chefarchitekten mit türkischem Honig zu füttern, woraufhin diesem das Maul verklebt wäre und er in Trance verfallen würde. Sie würde dann den Hund auf den Armen ins Büro des Chefarchitekten tragen und versichern, es sei ein besonders netter Hund gewesen, nach einigen Minuten sich der türkische Honig aber wieder aufgelöst haben würde und der Hund wieder ganz normal rumspringen. Das fanden wieder alle lustig, nur ich nicht, ich konnte mich noch gut daran erinnern, wie Frau Strobel mit meinem Hund im Arm in der Türe gestanden hatte und versichert hatte, wie fröhlich der Hund doch zu Lebzeiten gewesen sei, und wie begierig er den türkischen Honig gefressen hatte.

Es wurde hier noch eingewandt, dass sich dies auch in einer Rechtsanwaltskanzlei ereignen könnte, also keineswegs architekten-spezifisch sei. Wichtig sei doch, die besondere Lustigkeit der Architekten hervorzuheben. Alle schauten betreten. Dann machte der langhaarige Praktikant den Vorschlag, dass es für eine Sitcom höchst zeitgemäß wäre, wenn er die Rolle des Chefarchitekten übernähme. Da brach ich das Projekt ab, und bis heute gibt es keine Architekten-Sitcom, wobei durchaus zu vermuten ist, dass sich auch andere Büros daran versucht haben, aber ebenfalls gescheitert und daher noch immer missmutig sind.

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Ich bin Architekt und seit 2009 veröffentliche ich archimag.de. Wenn Ihr Wünsche oder Anregungen habt, dann her damit. Ich freue mich über Eurer Feedback.

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