Magazin
Schreibe einen Kommentar

Kontroversen um IKEA’s Boklok

BoKlok Reihenhaus Straßenblick
BoKlok Reihenhaus Straßenblick

BoKlok Reihenhaus Straßenblick

Anfang Mai habe ich zum Verkaufsstart des neuen IKEA Hauses ausführlich über die Häuser berichtet. Jetzt wird unter Experten, Verbraucherschützern und Medien die Kritik an den IKEA Häusern immer größer. Worum geht es dabei?

Stiftung Warentest nimmt Boklok auseinandern

In einen ersten, schnellen Test wurde das Haus und besonders die Vertragsbedingungen beim Kauf betrachtet. Hierbei wurde durch die Stiftung Warentest folgenden Punkte erkannt und bemängelt:

  • Hohe Extrakosten die beachtet werden müssen
    • Reihenhaus ohne Tapete und Fußboden – Extrakosten für die Käufer
    • ohne Keller – ggf. wieder Extrakosten für den Käufer
    • Kosten für Notar, Grundbucheintrag und Grunderwerbssteuer kommt noch hinzu (rund 10.000 Euro)
  • Vertragsklauseln benachteiligen Käufer
    • Änderungen an den Bauleistungen, den Bauplänen und der Baubeschreibung ohne triftige Gründe sind zulässig
    • Änderungsgründe „bauübliche Toleranz“ und „innerhalb der Regeln der Baukunst“ sind zu ungenau und deshalb unwirksam
    • Zahlung der vollständigen Schlussrate auch wenn noch Restarbeiten ausstehen
    • Haftung für Baumängel wird unzulässigerweise eingeschränkt
    • Fertigstellungstermin wird nicht garantiert
  • Baubeschreibung ungenau
    • keine Genaue Aussage zu Glas und Rahmen der Fenster
    • Ob die Rollläden tatsächlich aus Aluminium sind, wie es die Werbung verkündet oder doch aus Kunststoff, geht aus der Beschreibung nicht hervor
    • Erhöhten Schallschutz in der Werbebroschüre wird in der Baubeschreibung nicht genannt Der dort garantierte Schallschutz erfüllt nicht einmal die aktuellen Standards.
    • Aufbau der Trennwände wird nicht genannt
  • Bei den Außenwänden kommt nach einer Gipskartonfeuerschutzplatte von 18 Millimetern Stärke direkt einen Dampfdiffusionsbremse, die eine Pe-Folie ist. Diese darf keinesfalls beschädigt werden. Es können also keine Schrauben oder Nägel eingeschlagen und auch keine zusätzlichen Steckdosen installiert werden.
  • Energiekosten zu hoch
    • Strom und Heizwärme muss 15 Jahre von der „Contractor“ evb mbH bezogen werden.
    • evb verlangt deutlich höhere Energiepreise als andere Strom- und Gasanbieter
    • Preis ist an leichtes Heizöl gekoppelt. Das ist Bundesgerichtshof für die alleinige Berechnung des Gaspreises unzulässig
    • Nach 15 Jahren dürfen die Käufer die Energiestation für 35 000 Euro übernehmen. Ob die alte Anlage dann noch diesen Wert besitzt, ist fraglich.

IKEA hat per Pressemitteilung auf die Tests von Stiftung Warentest reagiert und will die Vertraglichen Bedingungen nochmals genau überprüfen. Es heißt, dass die aktuellen Vertragsbedingungen nicht vorgelegen haben. Unstimmigkeiten gibt es aber, da die Unterlagen am 23. April an die Stiftung Warentest gesendet wurde und der Verkauf schon 6 Tage vorher gestartet ist. Entweder es wurden veraltetet Unterlagen an Test.de gesendet oder alle Käufer der ersten Stunde haben in der Zwischenzeit neue Vertragsbedingungen erhalten.

IKEA sagt weiterhin: „Vertragslaufzeiten von 15 Jahren mit dem Energieversorger seien üblich.“
Test.de kontert daraufhin: „Laut Gesetz darf die Laufzeit von Fernwärmeverträgen jedoch maximal 10 Jahre betragen.“

Auch von anderen Seiten gibt es Kritik

Der FOCUS führte ein Interview mit Peter Würtenberger, Architekt und Bauherrenberater beim Verband privater Bauherren in Darmstadt. Er hat sich das Haus IMMEln genauer angesehen und erklärt in dem ausführlichen Interview die Stolpersteine. Folgende Kernaussagen werden in den Interview (Link am Ende des Artikels) genannt.

Negativ:

  • einfache Ausstattung des Eingangsbereiches – Es fehlt ein Windfang
  • Im Flur hat man „gute Sicht“ in die Küche
  • Gäste-WC ohne Fenster
  • kleine Räume
  • Wandaufbau (s.o.) zu reduziert. Bei Bohrungen kann es zu Bauschäden kommen
  • Baukosten geschätzt bei 1.600 Euro/qm – gleiche Qualität gibt es schon an 1.300 Euro/qm
  • Baubeschreibung sehr knapp (s.o.)

Positiv:

  • geschickte Designelemente – wie Oberlichter
  • viele Baunebenleistungen wie Baugenehmigung oder Bauleistung schon inklusive

Auch das Boklok-Haus ist kein Rundum-sorglos-Paket.

Dieses Zitat trift es wohl am Besten. Nur weil IKEA darf steht, muss noch nicht alles durchdacht und gut sein. Wer bauen will muss genau hinsehen und sich im Zweifel Hilfe von einem Experten holen.

Ich werde das Thema weiter beobachten.

Quellen:
Interview mir Herrn Würtenberger http://www.focus.de/immobilien/kaufen/tid-17933/boklok-das-ikea-fertighaus-ist-kein-schnaeppchen_aid_499219.html
Stiftung Warentest: https://www.test.de/Ikea-Haus-Gravierende-Maengel-1860112-0/

Kategorie: Magazin

von

Ich bin Architekt und seit 2009 veröffentliche ich archimag.de. Wenn Ihr Wünsche oder Anregungen habt, dann her damit. Ich freue mich über Eurer Feedback.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.