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Mythen und Märchen von Glühbirnen und LEDs

Gluehlampe Quelle:Wikipedia KMJ alpha masking by Edokter
Gluehlampe Quelle:Wikipedia KMJ alpha masking by Edokter

Gluehlampe Quelle:Wikipedia KMJ alpha masking by Edokter

Ok, ich gebe zu, das der Titel „Mythen und Märchen von Glühbirnen und LEDs“ etwas theatralisch gewählt ist, aber immer wieder begegnen mir Meinungen über Leuchtmittel, die schwer zu verstehen sind. Jetzt wo schrittweise herkömmliche Glühbirnen oder Glühfadenlampen vom Markt genommen werden, ist es wieder besonders schlimm. Ich möchte jetzt etwas aufklären und gerne auch Meinung machen.

Was wann verboten wird

Seit Dezember 2008 ist klar, das in der Europäischen Union auf der Basis der Ökodesign-Richtlinie 2005/32/EG ein Stufenplan für Verkaufsverbote von Lampen geringer Energieeffizienz umgesetzt werden soll. Dieser besagt:

  • das seit 09/2009 mattierte Lampen nur noch in der Energieeffizienzklasse A importiert oder hergestellt werden dürfen. Praktisch bedeutet das ein Verbot aller matten Glühbirnen, da dieser Wert nicht erreicht wird.
  • das seit 09/2009 100 Watt und mehr Energieeffizienzklasse C, und alle Lampen in der Energieeffizienzklasse E nicht mehr importiert oder hergestellt werden dürfen.
  • das dieses ab 09/2010 auch für 75 Watt Energieeffizienzklasse C zutrifft.
  • es ab 09/2011 keine 60 Watt Energieeffizienzklasse C Lampen mehr geben wird.
  • und ab 09/2012 keine Lampen der Energieeffizienzklasse C unabhängig von der Wattzahl importiert oder hergestellt werden dürfen.
  • ab 09/2016 wird dass ganze dann voraussichtlich auf die Energieeffizienzklasse B ausgeweitet, wobei wohl einige Halogenlampen ausgenommen werden.

Wie in der EU so üblich, gibt es ein Hintertürchen. 2014 wird die aktuelle Regelung überprüft und kann dann angepasst werden.

Lampen die zu dem Zeitpunkt in Betrieb sind, oder auch schon im Gebiet der EU sind dürfen weiterhin verkauft und genutzt werden.

Die Wikipedia führt weiterhin aus:

Spezielle Lampen wie beispielsweise zur Verwendung in Kühlschränken, Backöfen oder der Medizin fallen nicht unter die einzuhaltende Ökonorm. Diverse spezielle Bauformen von Glühlampen, wie zum Beispiel stabförmige Halogenlampen oder kleine Lampen für Taschenlampen oder Fahrzeuge, sind vorerst auch nicht betroffen. Ebenfalls nicht betroffen sind Reflektorlampen, die einen gerichteten Lichtstrahl abgeben, bei dem mindestens 80 % des Lichtes in einem Öffnungswinkel von maximal 120° austreten. Dies ist dadurch begründet, dass es zu diesen Lampen bisher keine ausreichend verbreiteten Alternativen gebe.

Oh Gott, keine Glühbirnen mehr, wir werden alle krank

LED_Halogen Quelle: Wikipedia by Ralf Pfeifer

LED_Halogen Quelle: Wikipedia by Ralf Pfeifer

Quatsch.

Lampen unterscheiden sich in der Farbtemperaturen und dem Farbton. Die psychologisch bedingte Einteilung in kalte und warme Farben ist keine Beurteilung der Farbtemperatur. Glühlampen haben eine Farbtemperatur von 2300 bis 2900 K (Kelvin). Tageslicht liegt bei 5000-7000 K. Glühlampenlicht wirkt daher deutlich gelb-rötlicher als das natürliche Tageslicht. Andere Lichtquellen mit dieser typischen Farbtemperatur von Glühlampen werden als „Warmton“ angeboten. Solche Lichtquellen für Wohnräume werden als Energiesparlampen, Leuchtstofflampen und auch als LED-Strahler angeboten.

Weiße LEDs werden wie Leuchtstofflampen auch für unterschiedliche Arten (Farbtemperaturen) weißen Lichtes gefertigt. Übliche Kategorien sind das „kaltweiße“, tageslichtähnliche Licht (Farbtemperatur 5500–6000 K) und das „warmweiße“ Licht, ähnlich dem von Glühlampen (2700–3000 K).

Häufigster Kritikpunkt ist, dass die LED-Lampen oder auch Energiesparlampen zu weiß (oder umgangssprachlich zu hell) wären. Die Situation hat sich aber sehr gebessert. LED mit 3500 bis 2900 K sind schon zu bekommen und stehen somit den Glühbirnen in Punkt der Farbtemperatur  in nichts nach.

Warm und kalt…

…hört sich zunächst nach positiv und negativ an. Aber für jede Arbeit und jede Zeit gibt es die richtige Farbtemperatur bzw. Farbton. Arbeiten sollten wir mit höheren Farbtemperaturen. Erst mit Tageslichtlampen lassen sich beispielsweise Farben richtig beurteilen. Abends in der Phase vor dem schlafen gehen sollten wir hingegen nicht mehr zu hohen Farbtemperaturen ausgesetzt sein, da sonst die Produktion von Melatonin unterbrochen wird.

Fazit

An Glühbirnen haben wir uns gewöhnt und von der EU lassen wir uns auch nicht gerne etwas vorschreiben. Aber deswegen die LED und Energiesparlampen zu verteufeln, ist nicht richtig. Die Entwicklung muss noch viel leisten um die Produkte perfekt zu machen, aber die Glühbirnen waren auch alles andere als perfekt. Aufpassen sollte man schon beim Kauf und die richtige Farbtemperatur wählen.

Und an alle die das „grelle Licht der LEDs“ immer noch abstoßend finden. Kerzen haben eine Farbtemperatur von rund 1900 K und werden auch in Zukunft wohl nicht verboten.

Kategorie: Magazin

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Ich bin Architekt und seit 2009 veröffentliche ich archimag.de. Wenn Ihr Wünsche oder Anregungen habt, dann her damit. Ich freue mich über Eurer Feedback.

5 Kommentare

  1. Glühlampe sagt

    Die richtige Farbtemperatur beim Kauf zu wählen ist auf jedenfall ein Tipp, den man beherzigen sollte. Andernfalls wird man mit den neuen Energiesparlampen nicht glücklich werden. Denn wenn man sich über Jahre hinweg an die stromfressenden Glühlampen gewöhnt hat, fällt der Umstieg meiner Erfahrung nach umso schwerer, je größer und sichtbarer die Unterschiede sind.

  2. Layla Collins sagt

    incandescent light are very wasteful when it comes to electricity, avoid using it.,“

  3. Matthias sagt

    Ich war schon vor Jahren so begeistert von den LED, dass ich sie in meinen Arbeiten (Objekte, die leuchten) eingesetzt habe. Mangels brauchbarer industrieller Lösungen habe ich für den jeweiligen Zweck LED s, Trafo, Grätz- Schaltung, Widerstände und Kondensator zusammengeschaltet. Das erste, vor 6 Jahren gebaute funktioniert immer noch.
    Um so unverständlicher, was die Industrie für einen teuren Schrott zusammenlötet. Im Wohnbereich bin ich zähneknirschend vor gut einem Jahr auf LED umgestiegen. Die ersten, die ausgefallen sind, habe ich wieder gegen LED eingetauscht. Inzwischen hat auch der letzte dieser 30 – EURO -Artikel den Geist aufgegeben und es regiert wieder die Glühlampe im Hause (ein großer Karton mit MATTEN steht in Reserve).
    Meine Gründe für die LED:
    Energieersparnis, gute Einsatzmöglichkeiten in kleinen geschlossenen Objekten, da ich kaum für Wärmeabfuhr sorgen muss.
    Mit bestimmten Bauformen erreiche ich Effekte, die ich mit keinem andern Leuchtmittel erzeugen kann.

    Damit wäre ich mit den Pluspunkten aber auch schon fertig.

    Dagegen sprechen:
    Bei der klaren Ausführung stechen einem diese einzelnen Punkte in’s Auge, wie Nadeln.
    Mit LED beleuchtete Räume werden zu Büros, wohlige Gefühle wollen da nicht aufkommen – zur Stehparty mit Designerbrille und Partydroge wird’s wohl passen.
    Das, was der Handel an LED-Leuchtmitteln anbietet, strotzt vor Plastikteilen (die nach einem halben Jahr angeschmuddelt wirken und sich nicht mehr vernünftig reinigen lassen) – ein Wille zur einfachen Form ist ohnehin nicht erkennbar.

    Weil ein jeder ohne Nachzudenken von „Energieeffizienz“ plappert:
    Sechs bis acht Monate im Jahr sollten wir in unseren Breiten von „Lichteffizienz“ reden, zumindest bei im Innenraum eigesetzten Glühlampen. Oder anders gesagt, mit der Glühlampe kann ich etwas zuheizen und habe gleich noch angenehmes Licht.

    Wieso ein Architekt sich nicht sowieso gegen das Verbot eines ganzen Stimmungsspektrums bei der Beleuchtung zur Wehr setzt, ist mir ein ziemliches Rätsel. Im Moment jedenfalls ist „Ersatz“ für die Glühlampe nicht in Sicht. Man könnte die LED in vernünftigen Lichtfarben bauen und matt liefern. Sie wären dann ein ganz klein wenig weniger effizient und die Hersteller könnten sich nur dumm -nicht dumm & dusselig daran verdienen, aber ich würde vielleicht doch überlegen, ob ich sie einsetze, wenn mein Glühlampenlager eines Tages zur Neige geht.
    Vielleicht werden ja als nächstes Teppiche verboten, weil ihre Herstellung Energie verschleißt – so ein schöner, grau gestrichener Estrich tut es doch auch.

    Da aber mittlerweile EU- weit auch wieder mit gekrümmten Gurken gehandelt werden darf, will ich die Hoffnung mal nicht aufgeben.

    … und eine Laufzeitverlängerung halte ich mit und ohne Glühlampe für Schwachsinn

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