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Die Antwort: zeitgenössische Architektur ohne Ornamente und Schmuckformen

Frankfurter Börse_chival

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Wer das letzte Interview mit  Robert Reuter ( https://archimag.de/11fragenan/2009/robert-reuter/ ) gelesen hat, weiß dass ich dort eine Frage gestellt bekommen habe.

Und zum Schluss Frage 11: Welche Frage würden Sie welcher Person gerne stellen?
_rr: An Sebastian Lauff: Woran liegt es, dass besonders die deutsche zeitgenössische Architektur so gut wie keine Ornamente und Schmuckformen mehr hat?

Vielen Dank Herr Reuter, die Frage werde ich in den nächsten Tagen als Artikel beantworten. Naja zumindest versuche ich es.

Und das möchte ich hier und jetzt tun.

Vielleicht nähern wir uns als erstes von der Seite der Definition und schauen uns mal den Begriff  Ornament an:

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ornament_%28Bildende_Kunst%29 Stand: 11-2009: Ein Ornament (von lat.: ornare = „schmücken“, „zieren“) ist ein meist sich wiederholendes, oft abstraktes oder abstrahiertes Muster. Man findet Ornamente z. B. diese etwa auf Stoffen, Bauwerken, Tapeten, etc. Der Begriff Ornament wird fälschlicherweise mit den Begriffen Verzierung oder Dekoration verwechselt, welche eine Agglomeration von Schmuckelementen beschreiben.

Ein Ornament weicht formal deutlich vom Hintergrundmuster ab und wird häufig farblich oder durch Erhebung abgegrenzt. Bereits in der Steinzeit finden sich Ton-Krüge, die mit Ornamenten verziert sind.

Ornamente können gegenständlich aus Blumen- oder Fantasiemustern gebildet werden. Blumen und Blätterornamente findet man z. B. häufig in Kirchen, Kathedralen, Kreuzgängen und anderen Bauwerken an Säulen oder Erkern, sowie an Decken (Stuck) oder Hauseingängen.
Ornamente können auch abstrakte Formen, etwa traditionelle Clanmuster oder Stammeszeichen enthalten, um die Zugehörigkeit des Trägers zu verdeutlichen. Besonders häufig kommen sie z. B. in der islamischen Kunst (wegen des dortigen Bilderverbots) als Arabeske vor.

Zugegeben findet man Ornamente in der deutschen Zeitgenössischen Architektur recht selten. Aber woran liegt das? Wieder einmal am  Schwert der NS-Zeit, die mit Ornamenten noch recht üppig umgegangen sind, das über uns schwebt? Oder ist die Frage nicht so platt zu beantworten? Feststellen muss man, dass seit dem 20er Jahren des letzten Jahrhunderts den Ornamenten regelrecht der Kampf angesagt wurde. Aber ist der Einfluss des Bauhauses heute noch so groß?

Hierzu ein Zitat aus dem DesignLexikon ( http://www.designlexikon-deutschland.de/Fachbegriffe/O/ornament.html ):

Mit dem Anbruch des 20. Jahrhunderts traten zunehmend Strömungen auf, die dem Ornament den Kampf ansagten. Funktionalistische Tendenzen in der Architektur forderten energisch das Ende jeglicher Ornamentik, so z.B. Adolf Loos in seinem berühmten Artikel «Ornament und Verbrechen» (1908).

Im Bereich des Designs setzte sich in den 20er-Jahren rasch der sachliche, funktionale Stil des Bauhauses durch, der weitgehend auf das Ornament verzichtete – eine Auffassung, die nach dem Zweiten Weltkrieg an der Hochschule für Gestaltung, Ulm, radikalisiert wurde.

Erst mit der Pop Art in den 60er-Jahren vollzog sich langsam ein grundsätzlicher Wandel. Bunte Farben und ein spielerisch-unbeschwertes Formenvokabular fanden – unter dem Eindruck von Werbung und Massenmedien – Eingang in die Entwürfe avantgardistischer Designer, die sich in den 70er-Jahren zunehmend vom ornamentlosen Funktionalismus befreiten.

Ornamente waren also eine Zeit lang nicht angesagt. Und heute? Wir leben in einer Zeit in der alles wiederkommt.  Warum also nicht auch Ornamente? Ich denke, dass es zum einen eine Preisfrage ist. Ornamente sind teurer als anderen glatte Strukturen. Auf der anderen Seite verlangen die Bauherren auch nicht danach. Ornamente waren Statussymbol und Machtzeichen. Auch daher sind sie bekämpft wurden. Heute ist Stahl und Glas ein Zeichen der Macht. Das kann man sehr gut an Bankgebäuden erkennen. Solange sich in dieser Ebene nicht ändert, wird auch der „normale“ Bauherr nicht zu Ornamenten greifen.

Ich möchte aber noch eine weitere Überlegung aufgreifen. Ornamente sind ein wiederholendes, oft abstraktes oder abstrahiertes Muster. Sind somit unserer modernen Fassaden nicht auch nur eine andere Art von Ornament? Was sagt Ihr?

Hochaus im Viertel Défense in Paris gjulier

Hochaus im Viertel Défense in Paris gjulier

Foto 1: aboutpixel.de Frankfurter Börse © Walter Christ

Foto 2: aboutpixel.de / Fassade1 © gjulier

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