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Architekturfotograf Oliver Kern

Oliver Kern

Heute mal wieder ein Architekturfotograf aus der kleinen Artikelreihe. Wir wandern in Gedanken nach Freiburg zu Oliver Kern.
Wer auch Interesse hat sich und seine Fotos vorzustellen, der kann mich gerne anschreiben.

Oliver Kern

Oliver Kern

Frage 1: Herr Kern steigen wir direkt ein. Was war das letzte Foto, dass Sie gemacht haben?
_Oliver Kern [ok]: Die letzte Auftragsarbeit waren Innenaufnahmen eines Zeiss Stores (Optiker) in Bern für „Labor Weltenbau“ aus Stuttgart. Zur Einreichung für den Red Dot Award für Design.

Frage 2: Wie sind die zur Fotografie und speziell zur Architekturfotografie gekommen?
_ok: Zur Fotografie kam ich nach dem Abitur, zur Zeit meines Zivildienstes, also relativ spät. Mit der alten Minolta Spiegelreflex meines Vaters, habe ich ein paar Filme verschossen. Landschaften, Gebäude, ein Paar Freunde, nichts Spektakuläres.

Ich habe mich dann für ein Praktikum beworben und im selben Betrieb, ein Studio für Werbefotografie, eine Ausbildung angefangen. Ich habe also nicht unbedingt mein Hobby zum Beruf gemacht, wie viele meiner Kollegen. Danach habe ich einige Kurzfilme gedreht, es aber nicht zur Aufnahme einer Filmhochschule zum Regiestudium geschafft. Also habe ich als Freiberufler erste Fotoaufträge gesucht und bekommen.

Zur Architekturfotografie bin ich glaube ich auch durch meine Leidenschaft für Filme gekommen. Die Architektur ist im Film allgegenwärtig und definiert den physischen aber auch einen Gewissen emotionalen Raum. Die konkrete Handlung der Personen ist nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten. Ich versuche durch eine Architekturfotografie nicht nur zu vermitteln wie der Ort tatsächlich aussieht, sondern auch wie er sich anfühlt. Man könnte sagen ich möchte sowohl den Ort als auch den idealisierten Meta-Ort im Bild einfangen. Leider gelingt das nicht immer. Außerdem mag ich einfach die grafische Ordnung der Architekturfotografie. Ich finde es spannend in dreidimensionalen Objekten allein durch einen grafischen Bildaufbau die Präzision des Entwurfes zu verdeutlichen.
Manchmal wirken sie dadurch tatsächlich fast wieder zweidimensional.

zeiss Store sizilien

zeiss Store sizilien

Frage 3: Welches Gebäude möchten Sie auf jeden Fall noch ablichten?
_ok: Es wäre spannend die geplante Null Emission Stadt „Masdar“ in Abu Dhabi bei Ihrer Fertigstellung zu sehen. Wenn ich dann schon mal da wäre würde ich das neue Formel1 Areal natürlich mitnehmen.
In näherer Zukunft werde ich mal nach Weil am Rhein fahren und das neue Vitra Gebäude fotografieren.

Frage 4: Gibt es einen Kundenkreis bei den Architekten, der noch nicht erschlossen ist? Und wen ja, warum ist das Ihrer Meinung nach so?
_ok: Stararchitekten. Warum? Weil ich noch kein Starfotograf bin.

Aber im Ernst. Architekten machen gar nicht den Großteil meiner Auftraggeber aus. Obwohl viele meiner Jobs zur Architektur Bezug haben. Viele Architekturfotografen ziehen auf eigene Faust los versuchen der Erste am Neubau zu sein, und bieten die Bilder dann dem Architekten – sozusagen unaufgefordert – an. Diese Arbeitsweise kommt bei mir leider etwas zu kurz. Auch weil ich kein reiner Architekturfotograf bin.

Grossmarkt F

Grossmarkt F

Frage 5: Wie sieht Ihre typische Ausrüstung aus?
_ok: Ich arbeite momentan mit der Canon 5D MK II.

Frage 6: Analog oder Digital?
_ok: Ganz klar Digital.
Das Tilt/Shift Objektiv gibt mir die technischen Möglichkeiten der Grossformatkamera wieder. (Vermeidung stürzender Linien durch Parallelverschiebung etc.) Ich bin aber viel Flexibler bei Details und ausgefallenen Perspektiven. Durch diese Flexibilität habe ich mehr Bilder, am Ende eines Tages. Details, Materialien, Perspektiven, für die man nicht immer die Grossformat aufstellen würde, die aber doch die Dokumentation eines Objektes komplettieren. Die Grösse der Bilddaten ist für eigentlich alle Zwecke ausreichend. Natürlich ist ein 8 x 10 inch Dia immer noch schöner.

Frage 7: Architektur und Musik werden Parallelen nachgesagt. Hören Sie beim fotografieren oder nachbearbeiten Musik und wenn ja welche?
_ok: Ich kenne nur den Satz „talking about music is like dancing about architecture “ von Frank Zappa glaube ich. Aber natürlich kann Musik, ähnlich wie Architektur – besonders im Film – besondere Stimmungen erzeugen. Beides zusammen kann unglaublich mächtigen Einfluss auf die Emotionen haben. Musik kann die Wirkung eines Bildes potenzieren oder die Essenz erst offenbaren. Leider kann es auch sein, dass man feststellt, dass ein gewisses Bild ohne Musik gar nicht funktioniert. Momentan mag ich Bon Iver, Sufjan Stevens, The Mars Volta, dEUS, The Walkmen, Jon Brion, Foals und Elbow.

Frage 8: Wie stark bearbeiten Sie Ihre Fotos nach?
_ok: Da gibts keine Pauschale. Von fast gar nicht bis sehr stark. je nach dem was ich für eine Vorstellung vom Endprodukt habe.

Treppe Stimmung

Treppe Stimmung

Die nachfolgende Fragen beziehen sich auf das oben gezeigte Foto.

Frage 9: Tolles Bild mit einer sehr düsteren Stimmung. Einerseits führt die Treppe ins Dunkle und Ungewisse. Auf der anderen Seite bekommt man grünes Licht dorthin. Was befindet sich im Dunkeln und wo befindet sich die Treppe?
_ok: In Basel. Es ist der Ausgang einer Passage, welche ein Gebäude untertunnelt. Direkt zwischen dem Peter Merian Haus und dem Bahnhof SBB.

Frage 10: War das eine Auftrags- oder Freie Arbeit? Wenn es eine Freie Arbeit war, was hat Sie an diesem Bild fasziniert?
_ok: Das war eine Freie Arbeit. Und ein gutes Beispiel eines solchen Meta-Ortes. Die Architektur erzeugt hier nicht nur eine Stimmung sondern erzählt fast eine Geschichte. Wir haben diesen düsteren Eingang ins Ungewisse. Die Möglichkeiten was im Innern geschieht sind grenzenlos und vielleicht erschreckend. Aber die grünen Pfeile machen Hoffnung, dass es sich lohnt die Reise anzutreten; und dass es auf der anderen Seite vielleicht es einen Ausweg gibt.
Wenn man so will der Archetyp einer jeden Geschichte.

Frage 11: Können Sie uns die Einstellungen der Kamera zu dem Bild verraten?
_ok: Blende 18, Brennweite 24mm, ISO 100.

Frage 12: Wie sieht es mit der Nachbearbeitung bei diesem Bild aus?
_ok:Eigentlich gar nicht so viel.
Hier und da etwas abdunkeln und die Texturen des Betons besser herausarbeiten. Den grünen Pfeil gab es tatsächlich. Allerdings nur einen davon und etwas kleiner. Das Grün habe ich wohl noch etwas intensiviert.

[ OLIVER KERN FOTOGRAFIE ] KARLSTRASSE 69
79104 FREIBURG

0177 28 52 363
0761 29 23 283

MAIL@OKDV.DE
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