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Architekturfotograf Johann Hinrichs

Johann Hinrichs

Nach dem ersten Interview mit Architekturfotografen, jetzt Teil 2 der Interviews. Auch dieses mal bleiben wir in Deutschland bei Johann Hinrichs.

Johann Hinrichs

Johann Hinrichs

Frage 1: Herr Hinrichs steigen wir direkt ein. Was war das letzte Foto,dass Sie gemacht haben?
_Johann Hinrich [jh]: Mein letztes Foto zeigt ein halb eingestürztes Heustadl und ergänzt eine Serie sehr funktionaler Architektur, die ich bereits seit einigen Jahren verfolge.

Frage 2: Wie sind die zur Fotografie und speziell zur Architekturfotografie gekommen?
_jh: Bereits als Jugendlicher habe ich mit Leidenschaft fotografiert und meine Schwarzweiß-Bilder auch selbst vergrößert. Dadurch dass beide
Elternteile eine Fotografen-Ausbildung hatten und mein Vater diesen Beruf bis heute ausübt, war es abzusehen, dass ich auch so enden würde.
Speziell zur Architekturfotografie zog es mich bereits während meiner Ausbildung zum Werbefotografen, da mich dieses Thema immer gefesselt hatte und ich mich von Anfang an in diese Richtung entwickeln wollte.

Frage 3: Welches Gebäude möchten Sie auf jeden Fall noch ablichten?
_jh: Die Chinesische Mauer. Da ich Architektur gerne im Kontext mit ihrer Umgebung aufnehme, ist sie hier sicher eines der spannenderen Bauwerke.

Frage 4: Gibt es einen Kundenkreis bei den Architekten, der noch nicht erschlossen ist? Und wenn ja, warum ist das Ihrer Meinung nach so?
_jh: Ich habe das Gefühl, dass es seitens vieler Architekten gewisse Berührungsängste gibt, externe Fotografen einzuschalten, da diese ihre Architektur möglicherweise aus anderer Sicht sehen. Aus meiner Erfahrung stellt sich dieses Problem bei einer guten und kommunikativen Zusammenarbeit selten. Diese allerdings ist immens wichtig und setzt natürlich auch ein gewisses Einfühlungsvermögen des Fotografen voraus.

Anbau der LBK, Blumenstra§e 19, MŸünchen

Anbau der LBK, Blumenstra§e 19, MŸünchen

Frage 5: Wie sieht Ihre typische Ausrüstung aus?
_jh: Meine typische Ausrüstung gibt es eigentlich nicht, so wie es die „beste Kamera“ nicht gibt. Das geht von der digitalen Spiegelreflex bis zur klassischen Großbildkamera, je nach Einsatzgebiet.

Frage 5: Analog oder Digital?
_jh: In der Auftragsfotografie fotografiere ich, aus Kostengründen und auf Wunsch meiner meisten Kunden inzwischen fast ausschließlich digital.
Meine freien Arbeiten dagegen größtenteils auf Film. Ich sehe in der analogen Fotografie nach wie vor große qualitative Vorteile, an die die digitalen Techniken noch lange nicht rankommen. Gerade in der Sensibilität der Ton- und Farbwerte, sowie in der Umsetzung schwieriger Lichtverhältnisse hat Digital noch viel zu lernen.

Frage 7: Architektur und Musik werden Parallelen nachgesagt. Hören Sie beim Fotografieren oder Nachbearbeiten Musik und wenn ja welche?
_jh: Da ich mich bei Musik schlechter konzentrieren kann, genieße ich bei der Arbeit die Ruhe.

Frage 8: Wie stark bearbeiten Sie Ihre Fotos nach?
_jh: Ich lege Wert darauf meine Bilder am Computer nicht stärker zu manipulieren, als ich dies früher in der Dunkelkammer getan habe.
Mehr als Helligkeit, Farben, Kontrast und Tonwerte bearbeite ich in der Regel nicht. Gerade in der dokumentarischen Fotografie, wie sie die Architekturfotografie ja meist darstellt, verbietet sich eine Verfremdung, wie ich finde.
In jedem Fall aber ein interessantes Thema, das ich auch immer wieder mit Kunden zu diskutieren habe, die gerne mal ein Schild oder ein anderes störendes Detail verschwunden sehen wollen. Leider werden viele Bilder heute derart verfremdet und „aufgehübscht“, dass ich mich oft frage ob der Begriff Fotografie dort noch berechtigt ist. Jedenfalls sollte gute Architektur keine effektvolle Inszenierung nötig haben.

Grande Dixence

Grande Dixence

Die nachfolgenden Fragen beziehen sich auf das oben gezeigte Foto: Grande Dixence

Frage 9: Wie kommt man auf die Idee die Weltweit größte Gewichtsstaumauer https://de.wikipedia.org/wiki/Lac_des_Dix ) zu fotografieren?
_jh: Das Bild stellt einen Ausschnitt aus einer Serie von Staudämmen in den Hochalpen dar. Ich war von der Gegensätzlichkeit des Themas fasziniert: Auf der einen Seite die Bebauung und auch Zerstörung dieser unberührten natürlichen Hochgebirgs-Landschaft (Die Grand Dixence-Staumauer liegt in einer Höhe von ca. 2400 Metern ü.d. Meer), auf der anderen Seite die Faszination über dieses gigantische Bauwerk und die Leistung der Erbauer in einer Gegend in der keine Menschen mehr siedeln, ein derartig gigantisches Bauwerk zu errichten. Einige der Staumauern sind aus den 1930er Jahren und früher.
Aber auch der Gegensatz dieser vermeintlich grünen Energienutzung, die doch mehr Grün zerstört als man zunächst meinen möchte und so Umweltfreundlich gar nicht ist.
Ein weiterer Grund, der für das Thema sprach, war meine Leidenschaft für die Berge schlechthin.

Frage 10: Kommen Sie uns die Einstellungen und die Brennweite die Sie benutzt haben verraten?

_jh: Das Foto wurde mit einer Großbildkamera auf Film belichtet. Das Objektiv war wohl ein 90er Angulon von Schneider, aber die Einstellungen habe ich leider nicht mehr in Erinnerung.

Frage 11: Das Foto weißt eine tolle Dynamik von Licht und Schatten sowie sehr satte Farben auf. Auffällig ist auch die Vignettierung. Wurde hier Ihrer Sichtweise digital erarbeitet, oder ist das eine Effekt des Objektives?
_jh: Die Vignettierung erfolgte durch ein sehr altes Angulon, das ich benutzte. Nachbearbeitet wurde bei dem Bild quasi gar nicht.

Frage 12: Sie haben hier kein Wohnhaus oder Büro und auch keine Straßenszene vorgestellt, sondern ein riesiges Ingenieurbauwerk. Warum?
_fh: Ich finde, dass der Begriff der Architekturfotografie oft ein wenig eng begriffen wird. In meinen freien Fotoarbeiten möchte ich von dieser Vorstellung weg und Fragwürdigeres zeigen als schöne moderne Gebäude. Eine weitere Lieblings-Serie von mir dreht sich um die Reste des Atlantikwalls, also die Bunkeranlagen, die die deutsche Wehrmacht an der Atlantikküste hinterlassen hat.
Auch hier findet sich übrigens wieder ein Wiederspruch zwischen faszinierender Ästhetik und erschreckender Erinnerung.

Frage 13: Möchte Sie den Lesern von Archimag noch etwas sagen?

_fh: Ich freue mich auf Reaktionen auf meine Bilder und Gedanken…

Johann Hinrichs
Fotografie
Riedhof 1
86935 Rott/Lech
08869 – 91 23 23
0172 – 85 32 474
foto@johann-hinrichs.de
http://www.johann-hinrichs.de

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