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Architekturfotograf Chris Kister

Chris Kister

Seit Ende März werden jetzt auch archimag.de Architekturfotografen in lockerer Reihe vorgestellt. Heute kommt eine Frankfurter Fotograf zu Wort. Herr Chris Kister.

Chris Kister

Chris Kister

Frage 1: Herr Kister steigen wir direkt ein. Was war das letzte Foto, das Sie gemacht haben?
_Chris Kister [ck]: Mein letztes Foto das ich angefertigt habe, war ein atmosphärisches Stimmungsbild vom Objekt „Skyper“ in Frankfurt, diesmal mit Menschen. Nachdem ich schon über einige Jahre von diesem Objekt eine umfangreiche Architekturaufnahmeserie angefertigt habe, von der ein Fotobildband, Kalender, Broschüren und der Internetauftritt bebildert wurden, wollte der neue Besitzer etwas Anderes. Nämlich Menschen, die das Objekt beleben und Lust machen, es zu mieten…

Frage 2: Wie sind Sie zur Fotografie und speziell zur Architekturfotografie gekommen?
_ck: Ich war schon immer an Architektur, Design und Kunst interessiert. Da lag es nahe, nach meiner footografischen Ausbildung auch Architektur professionell zu fotografieren. Als ich dann durch Zufall einem amerikanischen Star-Architekturfotografen, nämlich Timothey Hursley, auf seiner Auftragsreise für die „Casa Vogue New York“, der Fotografie von Museumsneubauten in Europa, assistieren konnte, war ich so sehr von dieser Materie fasziniert, dass ich mich bis jetzt intensiv damit befasst habe und heute, 22 Jahre später, selbst über große Erfahrung in diesem Metier verfüge.

An der Fuchshohl, Frankfurt-Ginnheim

An der Fuchshohl, Frankfurt-Ginnheim

Frage 3: Welches Gebäude möchten Sie auf jeden Fall noch ablichten?
_ck: Künstlerische, hochwertige Kulturbauten wie Museen, Theater, etc… im fair bezahlten Auftrag.

Frage 4: Gibt es einen Kundenkreis bei den Architekten, der noch nicht erschlossen ist? Und wen ja, warum ist das Ihrer Meinung nach so?
_ck: Mir ist da leider keiner bekannt. Allerdings bitte ich um Verständnis, dass ich das hier auch nicht verraten werde, denn der Wettbewerb ist inzwischen grausam. Vor allem gibt es viele Mitbewerber, die zu so lächerlichen Preisen arbeiten, dass eine ernsthafte Beschäftigung mit einer Architektur, verbunden mit dem Warten auf das richtige Wetter und das optimale Licht, um anschließend in tagelanger Computerarbeit optimierte, druckfähige Dateien herzustellen, überhaupt nicht bezahlt ist. Und wenn man dann dieses Berufsbild professionell mit Qualitätsanspruch und als einzige Verdienstmöglichkeit ausführt und damit auch noch eine Familie ernähren möchte, wird es schwierig, sauber und für beide Seiten fair kalkulierte Fotoaufträge zu bekommen, wenn nur der Billigste gewinnt… Leider gibt es auch nicht wenige Architekten, die glauben, Architekturfotos selber machen zu können… – Vielleicht ist das eine Antwort auf Ihre Frage.

Frage 5: Wie sieht Ihre typische Ausrüstung aus?
_ck: Großformatkamera mit digitalem Highend-Rückteil und Zubehör, ein schweres Stativ, ein Sortiment von Digitalfestbrennweiten und je nach Auftrag Kunstlicht- oder Studioblitzausrüstung.

FFM Westhafen-Pier

FFM Westhafen-Pier

Frage 6: Analog oder Digital?
_ck: Inzwischen gibt es wirklich keinen Grund mehr noch analog zu arbeiten, sofern man highend-digital mit Großformatkamera arbeitet. Die Qualität ist bei diesem Equipment mindestens ebenbürdig, wenn nicht sogar besser. Im Gegenteil, es ist heutztage durch die Digitalisierung der Fotografie schwer geworden, noch eine gute, bezahlbare analoge Infrastruktur zu finden. Die Kosten für Großformatdiamaterial, Fachlaborentwicklung, Qualitätstrommelscans und abschließende Bildbearbeitung bezahlt vor allem das sehr kostenbewußte Architektenklientel heutzutage nicht mehr.

Frage 7: Architektur und Musik werden Paraletten nachgesagt. Hören Sie beim fotografieren oder nachbearbeiten Musik und wenn ja welche?
_ck: Auf jeden Fall! Ich höre sehr oft Musik, vor allem beim Nachbearbeiten. Und zwar eine ganz ruhige, meditative Ambientmusik, die mich in die richtige Stimmung versetzt…

Frage 8: Wie stark bearbeiten Sie Ihre Fotos nach?
_ck: Das ist unterschiedlich, je nach dem Erfordernis das ein für mich „optimales“ Bild benötigt.

Chris Kister Interieur Villa

Chris Kister Interieur Villa

Die nachfolgenden Fragen beziehen sich auf das oben gezeigte Foto.

Frage 9: Wo befindet sich das Objekt auf dem Bild und um was handelt es sich?
_ck: Diese Villa befindet sich in Leonberg bei Stuttgart. Es handelt sich tatsächlich um eine bewohnte Wohnung, die ich für einen Fotoauftrag als Location tageweise gemietet habe.

Frage 10: Was das eine Auftragsarbeit oder eine freie Arbeit?
_ck: Das war eine Auftragsarbeit für einen koreanischen Luxusfenster-Hersteller. Dieser ließ von mir zur Bebilderung von Werbemitteln für den koreanischen Markt, eigens eine große Bildstrecke in Deutschland fotografieren. Dafür wurde extra ein Kreativteam aus Korea nach Deutschland eingeflogen…

Frage 11: Können Sie uns die Einstellungen mitteilen, die Sie bei dem Fotos benutzt haben?
_ck: Diese Aufnahme habe ich noch analog mit der Großformatkamera auf 4/5 inch Planfilmdias fotografiert, eingescannt und bearbeitet. Ich habe dafür ein 90mm Weitwinkel eingesetzt, bei Blende 16 und einer entsprechenden Verschlusszeit.

Frage 12: Haben Sie den Ort so vorgefunden, oder haben Sie selber noch dekoriert?
_ck: Selbstverständlich habe ich die Location in Absprache mit den Kunden dekoriert. Allerdings waren die Designermöbel, nebst Kunst schon vorhanden. Witzigerweise wollten diese Leute keinerlei Anklänge an asiatische Kultur haben. Daher kein Bambus, Feng-Shui, oder chinesische Lackbilder (die auch im Raum hingen) etc…

Frage 13: Warum haben Sie u.a. dieses Bild zur Vorstellung hier bei archimag gewählt?
_ck: Weil es für mich äußerst ästhetisch auch eine „kleinere“ Architektur zeigt, wie Sie es für meine Präsentation hier gewünscht haben. Dass es sich dabei um eine Villa handelt, die geschmackvoll und teuer möbliert ist, kommt der Qualität nur zugute.

CHRIS KISTER
FOTODESIGN BFF
Dahlmannstrasse 20
60385-Frankfurt
fon 069/49 90 49 6
fax 069/26 49 30 18
info@ckister.de

3 Kommentare

  1. Gerhard Fuetterer sagt

    Architekturfotograf Chris Kister

    So ein Exposse zeigt die Erfahrung langer Jahre. Sehr gute Photos und Erfassung des richtigen Blickwinkels, Zeitpunkts und Beherrschung der notwendigen Technik und Erfassung des fotographischen Gefuehls und-Stimmung.

  2. Pingback: ARCHITEKTURFOTOBLOG Architekturfotograf Chris Kister im Archimag-Interview |

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