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Perlen der Alltagsarchitektur

Architekturfotograf Robert Mehl

Und der nächste , der sich mei­nen Fra­gen stellt. Heute ein mit aus Aachen.

Robert Mehl

Robert Mehl

Frage 1: Herr Mehl stei­gen wir direkt ein. Was war das letzte Foto, das Sie gemacht haben?

_Robert Mehl [rm]: Ein Por­trait von Gott­fried Böhm, auf einer Fest­ver­an­stal­tung der RWTH Aachen anläss­lich sei­nes 90. Geburtstages.

Frage 2: Wie sind Sie zur Foto­gra­fie und spe­zi­ell zur Archi­tek­tur­fo­to­gra­fie gekommen?

_rm: Foto­gra­fiert habe ich schon immer, ein eige­nes SW-Fotolabor auch. Nach mei­nem Archi­tek­tur­stu­dium gab es eine Phase, wo ich zwi­schen kur­zen Jobs in Büros immer wie­der job­ben musste und die ers­ten klei­nen Jobs ange­nom­men habe. Das Feed­back war ganz gut und irgend­wann merkte ich, dass ich davon — zwar sehr beschei­den – aber leben konnte und stellte das Bewer­ben auf Archi­tek­ten­jobs ein.

Mehl_Bad-Driburg_LEONARDO-Showroom

Mehl_Bad-Driburg_LEONARDO-Showroom

Frage 3: Wel­ches Gebäude möch­ten Sie auf jeden Fall noch ablichten?

_rm: Sehr gerne die Elb­phil­har­mo­nie, wenn denn die ein­mal fer­tig ist.

Frage 4: Gibt es einen Kun­den­kreis bei den Archi­tek­ten, der noch nicht erschlos­sen ist? Und wenn ja, warum ist das Ihrer Mei­nung nach so?

_rm: Die klei­nen Büros. Viele den­ken, ein rich­tig gutes Foto kön­nen sie sich nicht leisten.

Dabei sind die Preise nicht wie die HOAI fest gelegt. Nur die bekann­ten Fotografen-Stars wis­sen um Ihren Preis. Dabei liegt die Kunst darin, gerade pro­fan erschei­nen­des attrak­tiv zu insze­nie­ren. Man beachte meine Beispiele.

Frage 5: Wie sieht Ihre typi­sche Aus­rüs­tung aus?

_rm: Obwohl eine ana­loge Aus­rüs­tung vor­han­den ist, benutze ich doch meis­tens eine digi­tale Voll­for­mat­ka­mera und die ent­spre­chen­den Shift-Objektive. Dazu eine mobile Blitzanlage.

Frage 5: Ana­log oder Digital?

_rm: Digi­tal ist wohl die Ant­wort. Die ana­loge Tech­nik hat zwar immer noch ihren haptisch-sinnlichen Reiz, doch mitt­ler­weile ist die digi­tale Tech­nik hier auch schon gleich­auf oder sogar bes­ser. Ana­log hat seine der­zei­tige Berech­ti­gung noch darin, mitt­ler­weile ver­hält­nis­mä­ßig güns­tig zu sein. Eine ent­spre­chende digi­tale Aus­rüs­tung ist astro­no­misch teuer. So zah­len sie für eine digi­tale Fach­ka­mera, das dazu­ge­hö­rige Rück­teil und die not­wen­di­gen neuen Objek­tive gut 30.000 Euro.

Frage 7: Archi­tek­tur und Musik wer­den Par­al­le­len nach­ge­sagt. Hören Sie beim foto­gra­fie­ren oder nach­be­ar­bei­ten Musik und wenn ja welche?

_rm: Als Archi­tek­tur­fo­to­graf arbei­tet man grund­sätz­lich „im Felde“, Musik­hö­ren ist da etwas schwie­rig. Auch bin ich kein Freund von MP3-Playern. Weil ich es nicht gewohnt bin, habe ich dann auch im Stu­dio die Musik aus. Beim nach­ar­bei­ten höre ich dage­gen sehr viel Musik, meis­tens eher aktu­elle Sounds und die in der Regel aus dem Radio, da hört man prak­ti­scher­weise auch Nach­rich­ten. Denn zum Fern­se­hen fehlt mir die Muße.

Frage 8: Wie stark bear­bei­ten Sie Ihre Fotos nach?

_rm: Wenig. Meis­tens wer­den nur Hel­lig­keit und Kon­trast kor­ri­giert sowie die unver­meid­li­chen Flu­sen ent­fernt. Manch­mal ver­schwin­den auch uner­wünschte Sicht­hin­der­nisse. Men­schen, Autos, her­um­lie­gen­der Dreck.

Mehl_Giessen_Galerie-Neustädter-Tor_Mall

Mehl_Giessen_Galerie-Neustädter-Tor_Mall

Die nach­fol­gende Fra­gen bezie­hen sich auf das oben gezeigte Foto aus Gie­ßen Gale­rie Neu­städ­ter Tor

Frage 9: Sie hat­ten mir ja eine Aus­wahl von Fotos zur Ver­fü­gung gestellt. Dabei ist mir auf­ge­fal­len, dass es viele Fotos im Por­trait­for­mat bei Ihnen gibt. Ist das Zufall oder ein bewuss­ter Bruch mit dem „nor­ma­len” Sicht­feld des Menschen?

_rm: Nein, ein bewuss­ter Bruch ist es nicht. Viel­mehr ist die Nach­frage ent­spre­chend. Will man als Foto­graf in einer Zeit­schrift mög­lichst groß abge­druckt wer­den — und daran hat man natür­lich ins­be­son­dere aus finan­zi­el­ler Sicht ein Inter­esse — so emp­fiehlt sich grund­sätz­lich ein Hoch­for­mat. Hoch­for­mate ent­spre­chen näm­lich dem gän­gi­gen Zeit­schrif­ten­lay­out und gestat­ten die maxi­male Wie­der­ga­be­größe: eine ganze Seite — am Bes­ten natür­lich auf dem Titel.

Frage 10: Das Foto des Ein­kaufs­zen­trum sieht noch einem star­ken Weit­win­kel aus. Kön­nen Sie uns Brenn­weite und Ein­stel­lun­gen verraten?

_rm: Sehr gerne: Es ist ein 47mm Objek­tiv, aller­dings habe ich damit ein ana­lo­ges Nega­tiv mit dem For­mat 6 x 9 cm belich­tet. Im Grunde ist das der Grund warum ana­loge Foto­gra­fie gerade im Weit­win­kel­be­reich der digi­ta­len Vari­ante der­zeit noch ein wenig über­le­gen ist. Das opti­sche Bild­feld defi­niert sich immer über das Ver­hält­nis zwi­schen der Brenn­weite des Objek­ti­ves und der Flä­che, die man belich­tet. Habe ich eine große Flä­che, näm­lich ein gro­ßes, ana­lo­ges Nega­tiv zur Ver­fü­gung, so benö­tige ich nicht so eine kurze Brennweite.

Mit einer ana­lo­gen Fach­ka­mera (bediene ich auf mei­nem Portrait-Foto übri­gens gerade) belichte ich Film­plat­ten einer Größe von bis zu 9 x 12 cm. Um einen beträcht­li­chen Weit­win­ke­lef­fekt zu erzie­len, benö­tige ich bei die­ser Bild­flä­che nur Brenn­wei­ten um die 50 mm. Bei einer klas­si­schen Spie­gel­re­flex­ka­mera ent­spricht eine sol­che Brenn­weite also „nur” einem Normalobjektiv.

Will ich aber mit einer sol­chen (dann digi­ta­len) Spie­gel­re­flex­ka­mera, die aber nur eine Flä­che von 24 x 36 mm auf­weist (und das sind schon die teu­ren Voll­for­matchip­ka­me­ras) einen ähn­li­chen Weit­win­ke­lef­fekt erzie­len, benö­tige ich Objek­tive mit Brenn­wei­ten von deut­lich unter 20 mm.

Diese sind aber extrem teuer in der Her­stel­lung, da sie sehr stark und dabei sehr prä­zise gewölbt sein müs­sen. Die ein­fa­che­ren Objek­tive die­ser Brenn­weite nennt man Fischau­gen”. Sicher­lich ken­nen sie bei die­sen die typi­schen Krüm­mun­gen bei der Wie­der­gabe gera­der Linien. Diese Krüm­mun­gen zumeist gehen nicht auf eine opti­sche Gesetz­mä­ßig­keit, son­dern auf eine „unzu­rei­chende” Objek­tiv­fer­ti­gung zurück.

Lei­der — und das macht deren Her­stel­lung so teuer — sind kurze Brenn­wei­ten in expo­nen­ti­el­ler Weise emp­find­li­cher für sol­che Unge­nau­ig­kei­ten als län­gere. Und nun der aus­schlag­ge­bende Pfer­de­fuß der digi­ta­len Tech­nik: Der­zeit kann noch nie­mand einen Chip her­stel­len, des­sen Grö­ßen annä­hernd einem alten ana­lo­gen Mit­tel­for­mat und schon gar nicht dem eines Großformat-Negatives ent­spricht. Der Größte der­zeit ver­füg­bare Photo-Chip hat die Maße 36 x 56 mm und kos­tet soviel wie ein Mit­tel­klas­se­wa­gen. Sie sehen: Es ist noch ein lan­ger Weg, bis die digi­tale Foto­gra­fie im Weit­win­kel­be­reich an die alte Ana­loge von der opti­schen Per­for­mance her herankommt.

Frage 11: Hat Sie das Motiv fas­zi­niert oder ist es eine Auf­trags­ar­beit gewesen?

_rm: Nein, das Ein­kaufs­zen­trum in Gie­ßen war eine Auf­trags­ar­beit. Es ging um die Decken. Der Her­stel­ler der­sel­ben hatte mich beauftragt.

Frage 12: Wie bekommt man in einem Ein­kaufs­zen­trum ein Bild ohne Men­schen hin?

_rm: Man ist halt früh da, am Bes­ten wenn die Geschäfte noch zu haben. Hat man ein offi­zi­el­les Man­dat von über­ge­ord­ne­ter Stelle, dann schie­ben Haus­meis­ter mit­un­ter auch Son­der­schich­ten für einen.

Frage 13: Was mögen Sie an dem Bild und was hätte noch bes­ser ein können?

_rm: An dem Bild mag ich das „Stru­de­lige”. Damit meine ich die geschwun­ge­nen Linien, die sich von den Bil­de­cken kon­zen­trisch auf die Mitte zu bewe­gen. Ich hätte noch ein wenig mehr auf­räu­men kön­nen: Will hei­ßen, die bei­den Blu­men­käs­ten aus dem Bild nehmen.

Frage 14: Möch­ten Sie den Lesern von archi­mag noch etwas sagen?

_rm: Eine attrak­ti­ves Archi­tek­tur­bild — und genau dafür habe ich das Ein­kaufs­zen­trum aus­ge­wählt — ist eben nicht allein des­we­gen genial, weil etwas Außer­ge­wöhn­li­ches foto­gra­fiert wurde. Auch schlich­tere Sachen kön­nen attrak­tiv in Szene gesetzt wer­den! In der Anlage noch ein quer­for­ma­ti­ges Bild. Es scheint als seien zwei Auf­nah­men zusam­men mon­tiert. Aber es ist nur eine — sogar noch ana­loge — Aufnahme.

Danke Herr Mehl, dass Sie meine Fra­gen beant­wor­tet haben.

Robert Mehl

Roer­mon­der Str. 2

52072 Aachen

www.robertmehl.de

info@robertmehl.de

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Ich bin Architekt und seit 2009 veröffentliche ich archimag.de. Wenn Ihr Wünsche oder Anregungen habt, dann her damit. Ich freue mich über Eurer Feedback.
Sebastian Lauff

3 Responses

  1. Philipp sagt:

    Sehr inter­es­san­tes Inter­view. Auch schön die inspi­rie­ren­den Foto­bei­spiele. Gute Arbeit!

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Lauff, Archi­tekt & Autor

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